Autoreninterview

Melanie Gurenko

Hallo Melanie, vielen Dank, dass Du Dir heute Zeit für mich nimmst. Könntest Du Dich bitte kurz vorstellen, damit meine Leser wissen, wer mir hier Rede und Antwort steht?
Ja klar kein Thema, danke, dass du dir auch Zeit nimmst und mich unterstützt. Gerade am Anfang ist das Gold wert. Aber nun zu mir: Ich bin Melanie Gurenko, aber eigentlich nennen mich alle Mel. Ich komme vom wunderschönen Niederrhein und hab mich vor ein paar Jahren entschieden Bücher zu schreiben. Den ersten Band konntest du ja bereits auf Herz und Nieren prüfen.

 

Vor ein paar Jahren? Wie lange hast Du denn an Deinem Debüt geschrieben?
Also die erste Idee hatte ich 2012. Ich habe schon immer gern gelesen, aber schreiben kam für mich nicht infrage. In der Schule war Deutsch eines meiner Hassfächer und auch so war ich nie davon überzeugt, dass man sich einfach so hinsetzen und ein Buch schreiben kann. Die Idee hat mich aber einfach nicht losgelassen. Sie war immer da, die Charaktere waren in meinem Kopf und irgendwann musste ich mich ransetzen. Das war 2017. Die erste Version war grottenschlecht, hab dann aber 2018 entschieden es zu beenden. Und seit 2019 schreibe ich ernsthaft und habe mich entschieden zu veröffentlichen.

 

Was ist denn von der ursprünglichen Fassung noch übrig? Also worum geht es in deiner ersten Veröffentlichung?
Die erste Fassung, puh. Also die Grundlinie ist geblieben, der Plot, wenn man so will. Aber der Rahmen ist anders. Begonnen habe ich mit einem auktorialen Erzähler im Präteritum und das jetzige Kapitel 2 war der Anfang. Es war auch deutlich kürzer, nur 94.000 Wörter statt jetzt 142.000 Wörter. Ich habe die Perspektiven gewechselt, schreibe jetzt aus der jeweiligen Perspektive des Charakters und es fühlt sich einfach echt und hautnah an. Grundsätzlich wollte ich eine „etwas andere Fantasy“ erschaffen. Ich bin sehr von George RR Martin beeindruckt, wie er es schafft, dass man einen Charakter erst hasst und nachher ins Herz schließt, Theon Greyjoy zum Beispiel. Kernpunkt bei mir ist: Es gibt kein gut oder böse, sondern nur Entscheidungen, die dich auf deinen Weg bringen. Und da natürlich auch, wie die Entscheidungen von einzelnen Personen, Auswirkungen auf eine gesamte Welt haben können.

 

Das klingt tatsächlich episch. Wie viel Bände sind dazu denn geplant?
Aktuell sind 4 Bände geplant. Aber ich habe auch schon Stories, die nicht in die Bücher passen und plane da noch zum jetzigen Zeitpunkt 2 Novellen, aber es kann durchaus noch mehr kommen.

 

Hast Du dabei einen festen Veröffentlichungsplan? Also sagst Du jedes Jahr 1 Band oder lässt Du Dir das offen, je nachdem, wie Du mit dem Schreiben vorankommst?
Ich bin relativ zügig mit dem Schreiben. Teil 2 stelle ich diese Woche fertig. Ich plane im Sommer 2021 Band 2 zu veröffentlichen, dann Band 3 Anfang 2022 und in der zweiten Hälfte 2022 den vierten Teil. So 6-10 Monate dazwischen. Aber sollte ich merken, dass die Geschichte noch nicht perfekt ist, werde ich den Plan auch anpassen. Da höre ich auf meinen Bauch.

 

Das ist ja das Schöne am Selfpublishing, dass man da freie Hand hat. Hast Du Dich deshalb fürs Selfpublishing entschieden?
Ich bin dort tatsächlich „reingerutscht“. Ich habe mir erst eine Agentur gesucht, oder es zumindest versucht, aber habe bis heute keine Rückmeldung bekommen. Ich war ziemlich schockiert darüber, was für ein rauer Ton bei den Bewerbungen herrscht. Quasi: Wenn du meinst du kannst schreiben, heißt es noch lange nicht, dass du es kannst. Also bewirb dich am besten erst gar nicht. Irgendwann habe ich mir überlegt: Willst du jetzt wirklich deine Zeit für Bewerbungen opfern, auf die du eh nie eine Antwort erhältst? Oder glaubst du an dich und ziehst es durch? Setzt dich hin und schreibst und tust das, was du auch wirklich willst. Ich habe bisher so viel gelernt, so viele nette Menschen kennengelernt und ich muss jetzt ehrlich sagen, selbst wenn ich ein Angebot bekommen würde, wüsste ich nicht ob ich es annehmen möchte. Ich fühle mich gut mit meinem Weg und bin froh darüber keine Antworten bekommen zu haben, sonst wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin.

 

Was hast Du denn auf dem Weg hierhin alles gelernt? Was war Deine wichtigste Erfahrung bis jetzt?
Meine wichtigste Erfahrung ist glaube ich, dass ich gelernt habe an mich zu glauben. Daran zu glauben, dass ein Niemand aus dem Nirgendwo etwas schaffen kann, worauf niemand auch nur einen Penny gesetzt hätte. Dass aus einer kleinen Idee, etwas Großartiges werden kann. Ich bin mutiger geworden, offener und auch viel ehrlicher zu mir selbst. Ich hab gelernt, dass man mit viel Arbeit und Glauben an sich selbst eine Menge schaffen kann, auch wenn es am Anfang nicht danach aussieht. Auch bin ich begeistert von der Community. Jeder hilft jedem, wir Selfpublisher Autoren vor allem. Wir helfen einander und unterstützen uns in der Verwirklichung unserer Träume und andere mit in unsere Welten zu entführen und das ist einfach nur ein tolles Gefühl.

 

Das klingt wirklich toll. Gegenseitige Unterstützung ist Gold wert. Wo findet man denn solche Unterstützer?
Ich bin über einige tatsächlich gestolpert. Bei den Autoren muss ich direkt 3 nennen. Evelyne Aschwanden, Veronika Weinseis und Lara King. Evelyne habe ich damals durch das Cover von Lichtbrennen entdeckt. Ich liebe dieses Cover und darüber bin ich dann zu Jaqueline Kropmanns gekommen, die meine Cover designt. Veronika hat einen tollen Roman geschrieben und wir tauschen uns ab und zu mal aus. Genauso auch Lara King. Ich habe eins ihrer Bücher gelesen und sie einfach mal angeschrieben. Genauso ist es aber auch bei den Bloggern. Am Anfang hatte ich echt Angst irgendwen anzuschreiben, war richtig schüchtern. Bei Fibi war es zum Beispiel so: Willst du meine Bloggerin sein? Ja, nein, vielleicht. Aber niemand beißt, alle sind super nett. Man muss nur den kleinen Schweinehund überwinden.
Und sich trauen auf andere zuzugehen.

 

Hast Du dabei denn auch schon negative Erfahrungen gemacht?
Ganz vereinzelt ja. So ist es in kreativen Kreisen meistens, aber bisher war immer alles respektvoll und konnte gut geregelt werden. Ich versuche aber auch immer das Positive in einem Konflikt zu sehen und etwas mitzunehmen. Vielleicht fällt es mir deshalb auch etwas leichter über Negativität hinwegzusehen und einfach weiterzumachen.

 

Wow, diese Einstellung ist wirklich bewunderswert. Welche Einstellungen oder Eigenschaften erleichern einem noch das Autorendasein?
Definitiv mein Dickkopf. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, ziehe ich es durch. Ich glaube ganz wichtig ist, sich immer vor Augen zu führen, dass man nicht der nächste Tolkien oder die nächste Rowling wird. Ein zentrales Thema bei meiner Protagonistin Rayna ist das warum. Warum tue ich etwas, nicht was, wie oder mit wem, sondern mein persönliches warum. Beim Schreiben ist es ganz klar, dass ich meinen Charakteren Leben einhauchen will, ihre Geschichte erzählen. Niemals war es mein Ziel damit reich zu werden oder berühmt. Das ist mir vollkommen egal. Ich will einfach nur meinen Charakteren die bestmöglichste Bühne für ihre Geschichte bieten. Wenn sich dann auch noch Fans dafür finden, ist das das größte Lob. Also ganz wichtig, das Warum. Auch Geduld schadet nicht, das muss ich mir immer selbst einreden. Ich bin ein höchst ungeduldiger Mensch aber gut Ding will eben Weile haben.

 

Dann ist Deine Ungeduld eher hinderlich? Oder was sagst Du, ist die störendste Deiner Eigenschaften?
Definitiv meine Ungeduld. Ich schwanke immer zwischen: Ich will das Buch endlich fertig haben und ich will das Buch nicht fertig haben, denn dann ist es vorbei. Es klingt total komisch, aber so ging es mir schon immer. Ich lerne aber langsam geduldiger zu werden und mir die Zeit zu nehmen, die ich brauche.

 

Oje, das ist sicher nicht einfach. Was würdest Du denn sagen, ist allgemein das Schwierigste am Autorendasein? Womit hast Du am meisten zu kämpfen?
Das Autorendasein an sich ist gar nicht schwer. Schreiben ist irgendwann das normalste von der Welt, als wenn man mit seiner besten Freundin telefoniert. Ich freue mich auf meine Charaktere, ihre Geschichten zu schreiben, einfach alles. Schwierig hingegen ist auf sich aufmerksam zu machen. Denn ich finde zu einer passenden Bühne für meine Charaktere gehört nicht nur das Schreiben an sich, sondern auch die Werbung. Wie finde ich Leser, wer findet es interessant, wie läuft das mit Instagram und und und. Das finde ich viel schwieriger, als das Buch zu schreiben. Gerade im Selfpublishing eine Riesenherausforderung, da du nicht das Backing von einem Verlag oder einer Agentur hast.

 

Welchen Tipp würdest Du denn (angehenden) Autoren in Sachen Marketing geben?
Macht euch einen Plan. Ich habe ein halbes Jahr vor Veröffentlichung angefangen zu posten, Reichweite aufzubauen. Da gilt auch wieder realistisch zu bleiben. Bloß weil man ein Buch geschrieben hat, wird einem nicht die Tür eingerannt. Seid authentisch, zeigt wer ihr seid und habt keine Angst. Seid ehrlich mit dem, was ihr könnt und was nicht. Es ist keine Schande Hilfe anzunehmen, nachzufragen. Und ganz wichtig, man muss keine 10.000 Follower haben, um ein gutes Buch zu schreiben.
Auch da wieder Geduld, Geduld, Geduld

 

Das sind wirklich tolle und brauchbare Tipps. Und hättest Du jetzt zum Ende des Interviews auch noch etwas, das Du unbedingt noch loswerden möchtest?
Gerade für die Autoren: Glaub an dich, glaub an deine Story. Es wird Momente geben, wo du denkst, es bringt nix es taugt nix und du hinschmeißen willst. Aber dann erinnere dich wieder daran, warum du schreibst. Warum hast du angefangen? Denn wenn du an dich selbst glaubst, kannst du alles schaffen.
Danke im Namen aller Autoren fürs Mut machen und danke Dir für die Zeit.
Danke dir für das tolle Interview. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

 

Mehr Informationen zu Melanie Gurenko und ihren Büchern findet ihr hier:
https://www.instagram.com/melgurenko/?hl=de

Bild: Pixabay

Autorenfoto:

Coverrechte: Melanie Gurenko

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