Autoreninterview

Stefanie Hohn

Hallo Stefanie, danke, dass Du Dir heut Zeit für mich nimmst. Magst Du Dich bitte mal meinen Lesern vorstellen, damit sie wissen, mit wem sie es zu tun haben?

 

Hallo, liebe Monika! Die Zeit nehme ich mir gerne! Ich bin Mama, Autorin und Übersetzerin – in der Reihenfolge. Meine Kinder sind zwar schon groß, aber noch nicht vollständig aus dem Haus und da ist immer was los.
Ich schreibe, seit ich denken kann, aber ernsthaft und mit der Absicht, zu veröffentlichen, erst seit etwa vier Jahren.

 

Oh ja, das kenne ich nur zu gut, Kinder fordern immer viel Aufmerksamkeit. Wie schaufelst Du Dir da Zeit frei zum Schreiben?

 

Ich kann dich beruhigen – große Kinder brauchen weniger Zeit, als Kleine. Wenn sie dann aber Zeit einfordern, dann bin ich da – auch schon mal mitten in der Nacht. Ich habe einen festen Tagesrhythmus: Früh aufstehen, schreiben von 8 bis ca. 12 Uhr und dann erst kommt alles andere. Meistens setze ich mich am Nachmittag nochmal ein bis zwei Stündchen hin, oder auch abends, je nachdem.

 

Und da kannst Du dann wirklich schreiben? Muss Dich nicht erst die “Muse küssen”?

 

Die “Muse” ist ein Mythos, glaube ich. Ich plane meine Geschichten meistens recht ausführlich und da passiert es selten, dass ich nicht weiß, was ich schreiben soll. Ich brauche also nicht auf die Muse zu warten – ich ziehe meine Planungsdokumente vor. Klar gibt es Tage, an denen ich mich an den Schreibtisch setze und denke, puh – heute hab ich Brei im Kopf und das wird heute sicher nichts. Meistens wird es dann aber doch etwas. Und wenn es so etwas gibt wie eine Muse, dann hält die sich immer irgendwo an den unmöglichsten Orten auf, um mich mit ihren Ideen zu überfallen. Vorzugsweise dann, wenn ich überhaupt gar nicht auf sie angewiesen bin oder überhaupt nicht ans Schreiben denke.

 

Wo hat Dich denn die Muse zu Deinem Buch “Die Magie der Farben” überfallen?

 

Da waren gleich mehrere Musen am Werk.

 

Erzähl …

 

Ich hatte zunächst die Idee zu einer Liebesgeschichte, die – na ja, sagen wir – nicht unbedingt unter einem glücklichen Stern steht. Davon aber gibt es ja schon eine ganze Menge. Der eigentliche Zündfunke aber kam, als ich mit meinem Mann einen befreundeten Maler besucht habe. Der erzählte uns von einem ebenfalls befreundeten Maler und was dieser mit seinen Bildern anstellt. Das passte so dermaßen gut zu meinem Protagonisten Paul, dass in dem Moment die ganze Geschichte eine neue, interessante Note bekam. Und dann wollte ich sie nur noch schreiben, diese Geschichte…

 

Wieso ausgerechnet eine “tragische Liebesgeschichte”?

 

Das hat vielleicht mit Lebenserfahrung zu tun. Und in der Tragik liegt oft eine besondere Schönheit. Das klassische Happy End hätte zu meinem Protagonisten nicht gepasst, finde ich. Also nicht falsch verstehen, ich bin ein fröhlicher, optimistischer Mensch, aber das Leben ist einfach nicht immer nur rosarot.

 

Da sprichst Du mir aus der Seele. Gerade das macht Dein Buch so besonders, finde ich.
Aber auch Deine Darstellung und Beschreibung von der Malerei und den Farben ist einzigartig. Hast Du Dich da von dem befreundeten Maler beraten lassen oder malst Du auch selber gerne?

 

Ich selber kann überhaupt nicht malen! Ich liebe aber Farben und Gemälde, überhaupt Kunst. Zum Glück ist ein Onkel von mir passionierter Maler. Den konnte ich ausquetschen, was die Beschaffenheit von Farben und Lichtverhältnisse angeht. Der kreative Prozess als solches ist in den verschiedenen darstellenden Künsten ja ähnlich. Für mich ist tatsächlich auch das Schreiben auf gewisse Weise verwandt mit der Malerei. Überhaupt allem Schöpferischen …

 

Da hast Du auf jeden Fall recht: Schreiben ist eine Kunst. Bist Du dann auch der Meinung, dass man durch Übung besser wird? Was hast Du über die Jahre, in denen Du jetzt schon schreibst, dazugelernt, welche wichtigen Erfahrungen hast Du gemacht?

 

Schreiben ist – wie auch die Malerei – zu einem Großteil einfach Handwerk. Und jedes Handwerk lässt sich lernen. Je länger man es betreibt, desto besser kann man werden. Einerseits ist es die Routine, eine Geschichte gut strukturieren und auf ihre Höhepunkte hin ausarbeiten zu können. Andererseits aber ist es auch das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, die richtigen Ideen in den richtigen Momenten zu haben. Ja, ich denke, das ist sogar das Wichtigste, was ich in den letzten Jahren gelernt habe: meiner eigenen Kreativität zu trauen. Nicht zu verzweifeln, wenn ich mal hängen bleibe, wenn mal nicht die richtige Idee kommt. Ich weiß jetzt, dass gute Ideen reifen müssen – und das oft im Verborgenen tun. Ich kann sie locken, aber ich kann sie nicht mit Gewalt herbeizwingen. Hier den richtigen Mittelweg zu finden zwischen diszipliniertem Voranschreiten und bewusstem Abwarten und in-mich-Hineinhorchen – das ist wohl das Schwierigste an der ganzen Sache. Und ich glaube, ich werde immer besser darin.

 

Na das ist doch wundervoll. Reift dann gerade schon die nächste Geschichte heran?

 

Na logo!

 

Kannst Du uns dazu schon etwas verraten?

 

Es wird wieder um Kunst gehen. Und um Liebe natürlich…

 

Wieder eher tragisch oder dieses Mal klassisch mit Happy End?

 

Tragisch nicht, nein. So furchtbar tragisch ist „Die Magie der Farben“ ja aber auch nicht. Vielleicht kannst du dir denken, dass es wieder keine so ganz gradlinige “Und wenn sie nicht gestorben sind”-Story werden wird. Das können andere besser als ich.

 

Gibt es denn schon einen festen Erscheinungstermin oder wann ungefähr können wir uns auf das Buch freuen?

 

„Die Magie der Farben“ ist ja eben erst vor einem Monat erschienen. Es wird also noch ein wenig dauern.

 

Ich seh schon, ich bin schon wieder zu ungeduldig, aber daran ist eben “Die Magie der Farben” schuld, jetzt möchte ich unbedingt mehr.

 

Bist Du da selber nicht auch ungeduldig? Also ich meine, nachdem das Buch geschrieben ist, würdest Du es da nicht am liebsten sofort rausbringen und in die Welt hinaustragen?

 

Auf jeden Fall! Ich bin super ungeduldig! Leider funktioniert die Verlagswelt im Gegensatz dazu super gemächlich. Wenn das Buch endlich erscheint ist man gedanklich ja oft schon beim übernächsten. Das ist wirklich ein echter Vorteil des Selfpublishing!

 

Hast Du Dich deswegen bei den anderen beiden Büchern für diesen Schritt entschieden?

 

Ich habe zwei Romane im Selfpublishing veröffentlicht und weiß, wie schwer es ist, unter Millionen von Titeln überhaupt sichtbar zu werden. Das ist mit einem Verlag wie Amazon Publishing, bei dem ja “Die Magie der Farben” erschienen ist, deutlich einfacher. Beide Wege haben Vor- und Nachteile. Im Selfpublishing wird es nur leider immer schwieriger – und ich will, dass meine Bücher gelesen werden. Deswegen der Schritt in den Verlag.

 

Gesehen und gelesen werden … ein gutes Stichwort. Denn nur mit dem Schreiben eines Buches ist es ja mittlerweile nicht mehr getan. Als Autor muss man heutzutage ja selbst auch einiges im Bereich Marketing leisten. Oder wie siehst Du das? Was tust Du, um Deine Bücher publik zu machen?

 

Eine gute Frage!! Das Marketing ist das A und O. Du kannst ein noch so gutes Buch schreiben, wenn keiner davon weiß, ist das alles nichts wert. Für ganz wenige Autoren wird ein enormer Marketing-Aufwand seitens der Verlage betrieben. Der ganze große Rest muss halt irgendwie um die Aufmerksamkeit der Leser kämpfen. Wie ich das mache? Ziemlich unprofessionell, fürchte ich. Ich habe eine Website und eine Facebookseite, auf der ich versuche, sehr aktiv zu sein. Ich veranstalte Leserunden auf Lovelybooks und versuche es manchmal mit Facebook-Werbung oder bei Preisreduzierungen mit entsprechenden Plattformen. Ja, und dann stoße ich von Zeit zu Zeit auf Menschen wie dich, die Bücher lieben und für uns Autoren Gold wert sind, weil sie über uns reden und schreiben. Und mit denen es einfach Spaß macht, mich auszutauschen und über das Lesen und Schreiben zu reden.

 

Danke, tatsächlich macht mir das auch einfach großen Spaß, vor allem, wenn ich die Autoren mal so richtig ausquetschen darf. Deshalb noch einmal vielen Dank für Deine Zeit und bitte halte mich auf dem Laufenden, was Dein neues Buch betrifft.

 

Vielen Dank, liebe Monika, das war ein schönes Interview!! Hat mir riesig Spaß gemacht und ja – logo halte ich dich auf dem Laufenden !

 


Bild: pixabay

Autorenfoto: Claudia Weng

4 Kommentare

  • karin

    Hallo und guten Tag,

    Danke für das schön geführte Interview ..besonders interessant fand ich die Ausführungen zu Selfpublishing und dem Weg einen Verlag zu nehmen, den die Autorin ja genommen hat….letztendlich..

    LG..Karin..

  • Manuela Schäller

    Huhu
    Danke für das tolle, in Interviews.
    Was liest du denn selbst gern?
    Ich habe es in der Schule immer gehasst wenn wir ein Buch bekommen haben und das lesen mussten.
    Wie ist es bei dir, liest du schon immer gern und jeder Genre?

    LG Manu

    • Stefanie Hohn

      Ich habe schon immer sehr gerne gelesen. Manchmal sogar die Schullektüre Auf das Genre bin ich nicht so festgelegt, ich liebe einfach gute Geschichten. Die dürfen gerne fantastisch sein, oder auch spannend, manchmal aber auch einfach nur exzellent geschrieben – da spielen dann für mich Genre und sogar Handlung nur noch eine untergeordnete Rolle. Mit den Jahren bin ich immer wählerischer geworden und lege inzwischen ohne Gewissensbisse jedes Buch beiseite, das mich sprachlich nicht packt. Was ich gar nicht lese: Horror, High Fantasy, seichte Liebesromane ohne jeden Anspruch. Ansonsten bekommt bei mir jedes Buch zumindest eine Chance – leider fehlt allerdings immer öfter die Zeit zum Lesen. Eine Nebenwirkung des Schreibens ist, dass ich leider weniger Muße zum Lesen habe.

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