Contemporary,  Jugendbuch,  Rezension

Über alle Grenzen

 

Cover 

 Titel: Über alle Grenzen
 Autor/in: Maya Shepherd
 Verlag: Sternensand
 Seitenzahl: 544
 Preis TB: 14,95 € (D)
 Preis eBook: 6,99 € (D)
 Cover / Bildrechte: Sternensand Verlag 

 

Inhalt:

Annas Vater hat eine Jüngere und setzt kurzerhand ihre Mutter vor die Tür, damit seine neue Frau bei ihm einziehen kann. Da bleibt Anna nichts anderes übrig, als für ihre Mutter Partei zu ergreifen und sie nach Köln zu begleiten.
Ohne Freunde, ohne richtige Familie, in einer fremden Stadt, an einer neuen Schule fühlt Anna sich vor allem eines: einsam und allein gelassen. Um ihren seelischen Schmerz ertragen zu können, ritzt das junge Mädchen sich Wörter in die Haut. Doch niemand scheint ihren Kummer, ihre Einsamkeit und vor allem sie wahrzunehmen.
Das selbe Problem hat Yasin. Als Flüchtling in Deutschland wird er nicht ernst genommen und teilweise sogar gemieden oder schikaniert.
Zwei junge Menschen, die alles verloren haben, eine schicksalshafte Begegnung, eine Verbindung, die bald mehr ist, denn Liebe folgt keinen Regeln. Im Gegenteil, sie überwindet Grenzen, alle Grenzen … .

 

Meine Meinung:

Ein Buch von Maya Shepherd ist ja für mich immer ein absolutes Muss. Bereits mit „50 Tage – Der Sommer meines Lebens“ hat sie mir gezeigt, dass sie mich nicht nur mit ihren Fantasygeschichten überzeugen kann und so freute ich mich, dass ich „Über alle Grenzen“ bereits vorablesen durfte.
Schon durch den Klappentext wird klar, dass es sich hier nicht um ein locker-leichtes Jugendbuch handelt, sondern, dass diese Geschichte ernste Themen behandelt und deshalb sehr tiefgründig ist. Das Thema „Flüchtlinge“ ist ja sehr aktuell und ich finde es toll, dass Maya Shepherd es in ihrem Buch aufgreift und einmal von einer anderen Seite beleuchtet. Zwar ist das Buch zum größten Teil aus Annas Sicht erzählt, es gibt jedoch auch Kapitel, die von Yasins Flucht handeln. Diese sind in der 3. Person geschrieben, doch deshalb nicht weniger mitreißend und emotional. Im Gegenteil, es hat mich sehr bewegt, seine Geschichte zu lesen. Natürlich kennt man bereits einiges aus dem Fernsehen, aber es ist noch einmal etwas anderes, wenn die Ereignisse ein Gesicht bekommen, denn obwohl Yasin eine fiktive Person ist, hatte ich doch das Gefühl, es würde ihn wirklich geben. Maya Shepherd schafft es einfach immer wieder, ihren Figuren Leben einzuhauchen, sie richtig lebendig zu machen. Yasin hat mich auf jeden Fall tief beeindruckt. Seine Sichtweise auf das Leben hat mich ehrlich gesagt richtig nachdenklich gemacht. Vielleicht sind wir einfach viel zu verwöhnt und können deswegen die kleinen Dinge im Leben nicht mehr zu schätzen wissen. Yasin hat mich also wirklich zum Nachdenken gebracht.
Anna ließ mich dagegen ehrlich gesagt etwas zwiegespalten zurück. Ich verstand, dass für sie eine Welt zusammenbrach und sie sich einsam und verlassen fühlte, auch ihre innere Anspannung, den Druck, konnte ich gut verstehen, da ich das häufig schon so gehört hatte von Leuten, die sich ebenfalls ritzen. Maya Shepherd erzählt wirklich sehr einfühlsam und doch sehr authentisch davon. Ich denke, dass das ein Thema ist, das ebenfalls brandaktuell ist, über das jedoch nicht oft geschrieben wird, da es sehr schnell bedrückend wirken könnte. Maya Shepherd gelingt es aber die Gefühle von Anna glaubwürdig zu schildern, so dass zwar erstmals eine deprimierende Stimmung entsteht, diese löst sie dann jedoch wieder auf, so dass das Buch insgesamt nicht zu negativ wird. Was mich an Anna etwas gestört hat, ist die Tatsache, dass zuerst das Ritzen im Mittelpunkt ihres Lebens stand und plötzlich ist es dann Yasin. Natürlich klammert sie sich, haltlos, wie sie sich fühlt, an jeden Strohhalm, aber für mich fiel sie von einem Extrem ins andere. Es gibt für sie nur schwarz oder weiß und nichts dazwischen. Damit konnte ich persönlich nicht so gut umgehen.
Die Liebesgeschichte an sich ist wirklich zauberhaft. Die Gefühle kommen schleichend. Es gibt einige so schöne und gefühlvolle Momente, dass ich wirklich seufzen musste und besonders hat es mir die Aussage angetan, dass Liebe keine Hautfarbe, keine Herkunft, keine Religion kennt. Liebe ist frei von Vorurteilen, sie passiert einfach und lässt sich nicht kontrollieren. Ja, so ist es und das sollten wir uns wirklich zu Herzen nehmen. Mich hat diese Liebesgeschichte jedenfalls richtig verzaubert. Yasin und Anna sind so ein schönes Paar und ihre Gefühle kamen auf jeder Seite bei mir an. Maya Shepherd schafft es einfach immer wieder, die Emotionen an ihre Leser weiterzugeben, so dass man gar nicht anders kann, als mitzufühlen.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich mit dem Buch etwas früher „Schluss“ gemacht hätte. Während der Geschichte gibt es einmal so einen Einschnitt und da kamen mir die letzten Kapitel etwas erzwungen vor und ich hatte das Gefühl, als wollte Maya Shepherd unbedingt noch ein paar Punkte unterbringen, die vorher irgendwie keinen richtigen Platz gefunden hatten. Das fand ich etwas schade, da es in meinen Augen unnötig gewesen ist. Zwar ist das Ende schön „rund“ und es gibt einen tollen Abschluss, aber für mich endete das Buch eigentlich schon früher (an Weihnachten), was für mich stimmiger gewesen wäre und besser gepasst hätte. Zwar wären dann einige Fragen offen geblieben, aber das hätte ich bei diesem Buch gut vertragen können.

Fazit:

„Über alle Grenzen“ ist ein Buch, das wirklich ernste und aktuelle Themen anspricht: Flüchtlinge und das Ritzen. Sehr einfühlsam und authentisch widmet sich die Autorin diesen Punkten und spinnt sie in eine wunderschöne Liebesgeschichte ein. Vor allem Yasins Sicht auf die Dinge hat mich sehr fasziniert und zum Nachdenken gebracht. 
Ein tiefgründiges Buch, das zwar ernste Themen anspricht, aber durch die zauberhafte Liebesgeschichte auch schöne Gefühle beim Lesen hinterlässt.
Von mir bekommt das Buch 4 Punkte von 5.

7 Kommentare

  • marie l.

    sehr gute Frage. Ich schwanke grade zwischen "es wäre schön, wenn alles gut werden würde und die beiden zusammen bleiben können" und "nein bitte realistisch und er muss leider wieder zurück"….entschieden habe ich mich für die Happyendvariante – es gitb schon zu viel Lied in der realen Welt da ist es schön, wenn es in einem buch ein Happyend gibt.

  • Nora Steelie Kuhn

    Ein Ende für die Geschichte … hmm …ehrlich gesagt kann ich mir bei der Konstellation ein wirkliches Happy End nicht vorstellen , dazu ist der Weg zu schwer den Beide gehen müssen . Spontan würde ich tippen sie gehen in sein Land um dort zu helfen und sich ei Leben aufzubauen … klingt fad aber wenn man drüber nachdenkt …..

  • Elaneth

    Ich könnte mir vorstellen, dass die beiden einen Weg finden, zusammen zu bleiben. Klar, das wird nicht einfach und ein dauernder Kampf sein, da viele Menschen immer mit Vorurteilen reagieren werden.. doch ich denke die beiden könnten es schaffen :) (daran möchte ich auf jeden Fall glauben)

  • Ingrid Schrettl

    Danke für die berührende Rezension. Ich als bekennende Romantikerin würde mir wünschen, dass die Beiden zusammen sämtliche Probleme meistern, zusammen glücklich werden und sie in ihrem Umfeld die engstirnige Sichtweise ein bisschen aufweichen

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