Autoreninterview

Interview: April Wynter

Liebe April, schön, dass Du Dir heute Zeit für mich und meine Fragen genommen hast. Würdest Du Dich bitte einmal kurz vorstellen?
Aber natürlich: Ich bin April Wynter, Autorin, Weltenwandlerin und selbstständiger Kreativkopf. Ich liebe es fremde Welten sowohl in der Realität, als auch in Büchern zu erkunden – sei es meine eigenen oder der Lesestoff aus meinem Regal. Da ich ein sehr kreativer Mensch bin, habe ich mich selbstständig gemacht, weil sich in keinem Angestelltenverhältnis alle Jobs vereinen lassen. Grafikdesign, Webdesign, Fotografie, Projekte managen, Schreiben, sich Konzepte ausdenken und die Psychologie des Marketings verstehen: Ich liebe meine Tätigkeit und lasse die Hobbys, die ich zum Beruf gemacht habe, auch gerne in meinen Büchern einfließen. Da man neue Hobbys braucht, um auch einen Ausgleich zum Arbeitsalltag zu schaffen, gehe ich in meiner Freizeit gerne wandern, verbringe Zeit mit Pferd und Hund, bouldere oder gehe Bogenschießen. Alles in allem würde ich mich als sehr aktiven Menschen bezeichnen, dessen Lebenszeit vermutlich nicht ausreichen wird, um all das zu tun, was unsere Welt an Abenteuern bietet.

 

Dein Debütroman war ja ein Jugendbuch indem es um einen ganz speziellen Roadtrip geht. Dort hast Du ja auch eigene Erfahrungen miteingearbeitet. Kam Dir bei Deiner eigenen Reise der Gedanke, dass Du Autorin werden möchtest oder wann fing dieser Wunsch an?
Der Wunsch fing ganz klischeehaft bereits im Kindesalter an. Ich habe es geliebt mir Geschichten und Figuren auszudenken und als ich dann Schreiben gelernt habe, war es um mich geschehen. Leider bin ich ein sehr starker Kopfmensch, weshalb ich immer auf die Stimme der Vernunft gehört habe: Vom Schreiben kann man ja nicht leben, einen Verlagsvertrag zu bekommen ist pures Glück, das schaffen nur die wenigsten, Schreiben kannst du auch noch, wenn du in Rente bist, bis dahin arbeitest du lieber was Vernünftiges …
Auf meiner Reise habe ich viele Dinge ausprobiert, von denen ich geglaubt habe, dass sowas nur in Büchern passiert, aber keinesfalls im richtigen Leben. Irgendwann reflektierte ich und dachte über mein Leben nach, was ich eigentlich will, warum ich es will und was mich davon abhält, es einfach zu tun. Der einzige Grund, warum ich mein erstes Buch erst mit 26 Jahren veröffentlichte, waren meine eigenen Gedanken, Sorgen und Ängste, die mich kleingehalten haben.

 

Das zweite Buch ist dann aber eine Highfantasygeschichte. Woher kam die Idee dafür?
Das zweite Buch habe ich lustigerweise noch vor dem ersten geschrieben. Damals habe ich ein freiwilliges Jahr auf einem Bauernhof verbracht. Manche Arbeiten waren wie Meditation für mich, wie zum Beispiel den Futtertisch der Kühe fegen. Dabei musste ich mich nicht allzu sehr konzentrieren und hatte Zeit Geschichten zu spinnen – und so traten Ally und Jay in mein Leben, deren Abenteuer ich nun zu Ende bringe.

 

 

Jugendbuch, Highfantasy … wie geht es weiter? Was kommt als nächstes?
Eine Menge. Wenn ich einen Zauber finde, um für mich die Zeit anzuhalten, würdest du in den nächsten Jahren eine 3-teilige New Adult Reisebuchreihe, eine Urban-Fantasy-Superhelden-Buchserie bestehend aus mindestens 2 Staffeln á 12 Folgen, ein sehr ruhiges und nachdenkliches Jugendbuch, einen dystopischen Liebes-Kriegs-Roman und eine lustige Corona-Love-Story in den Händen halten können. Da ich das mit dem Beherrschen der Zeit noch nicht ganz so gut drauf habe (mein längster Tag hatte gerade einmal 47 Stunden, weil ich von Neuseeland nach Hawaii mit 23 Stunden Zeitverschiebung geflogen bin), wird das aber alles noch etwas dauern. Erstmal muss ich die Mondlilien und Drachenfeuer Reihe beenden und ja, den Coronaroman sollte ich auch zeitig schreiben, bevor das Thema nicht mehr aktuell ist.

 

 

Gibt es ein Genre, das Du Dir gar nicht vorstellen kannst, zu schreiben?
Horror, Krimi und Thriller. Ich lese alles nicht wirklich gerne und die Kurzgeschichten, an denen ich mich in diesen Genres versucht habe, waren weder spannend genug, noch gruselig oder haben den gewissen Nervenkitzel gehabt.

 

 

Hältst Du all Deine Buchideen irgendwo fest? Wie entscheidest Du, woran Du aktuell schreibst?
Ich habe bei Trello ein Board, in dem ich meine Bücher plane. Das Schöne ist, dass ich dort meine Ideen hin und herschieben kann, wie es mein Zeitplan gerade zulässt. Es gibt einzelne Karten, auf denen ich nur grobe Umrisse skizziere und ganze Listen, in denen ich einen Veröffentlichungsplan, einen Marketingplan, Charakterbeschreibungen und sonstige To Do Listen habe. Da viele Trello nicht kennen, habe ich ein Video dazu gedreht. Ich kenne Trello aus der Arbeit mit meiner Kundschaft und habe mir gedacht, dass das auch ziemlich praktisch für meine Buchprojekte ist, weil ich es am Handy und egal welchem PC nutzen kann.
https://www.youtube.com/watch?v=IY0HGyIYmrE&t=2s
Die Entscheidung, woran ich arbeite, mache ich von meiner Stimmung, aber auch von äußeren Umständen fest. Zum Beispiel sollte ich meine Lesenden nicht zu lange auf Teil 3 und 4 der Mondlilien und Drachenfeuer Reihe warten lassen, auf der anderen Seite brauche ich nach Beenden von Teil 2 erstmal eine Auszeit von der phantastischen Welt und arbeite deshalb an einem recherchearmen Wohlfühlroman.

 

 

Du bist ja inzwischen selbstständig. Wie sieht also so ein typischer Tag im Leben der April Wynter aus?
Überraschenderweise nicht viel anders als früher als Angestellte. Ich setzte mir feste Arbeitszeiten, weil ich sonst entweder viel zu viel arbeite oder mich in anderen Dingen verliere (einmal eine gute Serie begonnen, läuft man schnell Gefahr sie einfach durchzusuchten, wenn es keinen Arbeitgebenden gibt, der einen pünktlich im Büro erwartet). Zweimal die Woche gehe ich mittags mit Hunden spazieren und ein drittes Mal mit einem Pferd. Die freie Zeiteinteilung ist also doch ziemlich hilfreich (übrigens auch, wenn es um Termine bei meiner Frauenärztin geht … Wie kurz doch die Wartezeiten sind, wenn man sagt, man kann zu egal welcher Uhrzeit). Ansonsten beginne ich den Tag oft mit schreiben, wenn das Gehirn noch frisch und die Kreativität noch nicht ausgelaugt ist. Danach arbeite ich für meine Kundschaft, beantworte Mails, bringe Shopbestellungen zur Post und habe Abends oft noch Meetings, weil viele aus meiner Kundschaft einen Brotjob haben und deshalb tagsüber nicht können. Das Marketing läuft irgendwie so nebenbei, zumindest mein eigenes für zwischendurch. Rund um eine Buchveröffentlichung plane ich auch dafür feste Zeiten ein.

 

 

Gerade ist Band 2 der Mondlilie und Drachenfeuer Reihe erschienen? Wie viele Bände wird es geben und gibst Du uns bitte einen kurzen Einblick in die Geschichte?
Es handelt sich dabei um eine 4-teilige High Fantasy Reihe, in der es um die Protagonistin Ally geht, die ihre Familie verliert und versucht ihren einzigen überlebenden Bruder aus dem Kerker des Königs zu befreien. Dafür macht sie die als verschollen geglaubte Thronerbin ausfindig, um mit ihrer Hilfe in den Palast zu gelangen. Es gibt eine Menge Intrigen, Kämpfe, politisches Geschehen, aber auch Freundschaft, Liebe und süße Drachen (das sollte Amina besser nicht zu lesen bekommen …). Die vier Teile werden jeweils einem Element zugeordnet. Im ersten Teil befinden wir uns in Jadera, dem Reich der Erde. Der zweite spielt in einer Unterwasserwelt, der dritte in der Hitze der Wüste und der vierte in der Luftstadt Anathena. Neben Allys Erzählperspektive kommen noch weitere Charaktere und deren Geschichten zu Wort.

 

Was ist das Besondere an dieser Highfantasy-Reihe?
Die Geschichte wird sowohl von ihren Charakteren als auch der rasch voranschreitenden Handlung getragen. Besonders spannend fand ich das Worldbuilding und damit die Möglichkeit verschiedenen Szenarien durchzuspielen, die wir aus der Realität kennen, und ihnen in der Geschichte einen anderen Verlauf zu geben.

 

 

Magier, Drachen, Nixen … welche Kreaturen finden wir in der Mondlilien und Drachenfeuer Reihe alles und hast Du sie neu erfunden oder auf altbewährte Charaktereigenschaften zurückgegriffen?
Es gibt immer etwas Neues, etwas Altes und etwas Altes neu interpretiert. Im zweiten Teil kommen Sirenen vor, die durch ihre schaurig schönen Gesänge Menschen in den Tod locken, wie es in den Sagen der Fall ist. Doch die Geschichte dahinter ist eine andere. Auch das Unterwasservolk, die Undinen, die sowohl an Land als auch im Meer leben können, könnten dem ein oder anderem bekannt vorkommen und doch tragen sie eine eigene Geschichte in sich. Drachen sind in der Mondlilien und Drachenfeuer Reihe nicht reitbar, sondern so groß wie Adler, sodass ich mir sogar einen in Lebensgröße anfertigen habe lassen. Ich habe aber auch komplett eigene Kreaturen erfunden, wie zum Beispiel Axotos, das sind mutierte Axolotl, denen Gliedmaßen in Sekundenschnelle nachwachsen, wenn man sie ihnen entfernt.

 

 

Nach dem Buch ist vor dem Buch … worauf dürfen wir uns bei Dir als nächstes freuen?
Wenn nicht wieder diverse private, als auch Katastrophen der Natur dazwischenkommen, sollte es in diesem Jahr noch eine humorvolle Liebesgeschichte geben und natürlich den dritten Teil, “Das Spiel des Feuers”, der Mondlilien und Drachenfeuer Reihe. Nachdem ich fast ein Jahr nur alte Manuskripte überarbeitet habe, freue ich mich, endlich wieder richtig schreiben zu können. Außerdem habe ich einige Kurzgeschichten für eine Anthologie geschrieben, die sich einem ziemlich spannenden Setting widmet, über die ich aber noch nicht mehr sagen kann.

 

 

Deine Bücher sind ja alle im Selfpublishing erschienen und Du bist auch sehr aktiv im Selfpublisher Verband. Für welche Autoren*innen denkst Du, ist Selfpublishing der richtige Weg?
Hättest du mich vor vier Jahren gefragt, dann hätte ich geantwortet: Auf keinen Fall für mich. Im Selfpublishing übernimmst du quasi die Aufgaben eines Verlages. Du schreibst nicht nur, überarbeitest und hilfst ein wenig beim Marketing, sondern planst das komplette Projekt, stellst dein eigenes Team zusammen, streckst die gesamten Kosten finanziell vor, suchst dir Druckereien und Distributoren, planst die Veröffentlichung und bist für den Erfolg deiner Geschichte verantwortlich. Und Verantwortung ist hier das Stichwort: Du musst diese Verantwortung tragen können, sowohl finanziell, als auch zeitlich und nervlich. Selfpublishing macht großen Spaß, aber auch ich werde in Zukunft eher eine Hybridlösung fahren, weil ich bei Weitem nicht genug damit verdiene, um mir die Zeit nehmen zu können, die es braucht, um ein vernünftiges Buch rauszubringen. Ich bin allerdings froh, dass ich mein selbst gestecktes Ziel erreicht habe, dass sich die kommenden Veröffentlichungen nach dem zweiten Buch selbst tragen, ohne, dass ich Geld von außen zuschießen muss.

 

 

Welche Tipps hättest Du für angehende Selfpublisher*innen?
Schreibt. Haltet euch nicht selbst vom Leben eurer Träume ab. Informiert euch, denn Schreiben ist ein Handwerk, zu dem man eine ganze Ausbildung anbieten könnte, wenn der Beruf denn lukrativ wäre (leider ist er das in den wenigsten Fällen). Denkt daher darüber nach, was ihr erreichen wollt und vergleicht euch keinesfalls mit Menschen, die andere Ziele als ihr verfolgt. Ist Schreiben nur ein Hobby und ihr liebt es Lesende glücklich zu machen? Dann achtet nicht auf die Erfolge derer, die ihre Passion hauptberuflich leben. Wer hingegen wirklich etwas mit dem Schreiben erreichen will, wie zum Beispiel finanziell unabhängig von anderen Jobs zu leben, der sollte mehr von der unternehmerischen Perspektive an das Ganze herangehen.

 

Deine letzten Worte an Deine (zukünftigen) Leser und/oder Kollegen*innen ….
Lasst die Kreativität nicht aussterben. Nehmt euch die Zeit in eine vollkommen andere Welt oder in das Leben einer anderen Person abzutauchen und ihr werdet daraus auch immer etwas für euch selbst mitnehmen.

 

Vielen Dank für Deine interessanten Antworten und Deine Zeit, liebe April.
Wer jetzt noch mehr über die Autorin April Wynter und ihre Bücher erfahren möchte, der sollte hier vorbeischauen:
https://april-wynter.de/
https://www.instagram.com/april.wynter/

Autorenbilder: April Wynter

Banner: Pixabay

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