Rezension

[Rezension] Forbidden Touch

Cover 

 Titel: Forbidden Touch
 Autor/in: Kerstin Ruhkieck 
 Verlag: Carlsen / impress
 Seitenzahl: 406
 Preis: 3,99 € (D)
 Cover / Bildrechte: Carlsen Verlag

 

In AurAEupa gelten strenge Regeln. Die Menschen werden in drei Ligen eingeteilt und dürfen sich nur innerhalb dieser bewegen und verlieben. Mit Hilfe eines Chips wird jede Berührung aufgezeichnet, denn alles, was über sieben Sekunden hinausgeht, wird als „romantische Natur“ bezeichnet und genau beobachtet. Ein verbotener Kontakt wird unter Todesstrafe gestellt. 
Novalee hat sich immer genau an diese Regeln gehalten. Doch da sie mit 18 Jahren noch nicht verheiratet ist, muss sie in die Siedlung der Unverheirateten ziehen. Dort lernt sie Graey kennen. Graey, der eigentlich gar nicht in Liga 2 passt. Graey, der sie gehörig durcheinander bringt und der ein gefährliches Geheimnis birgt.
Währenddessen erlebt Crish seine Sichtung und muss erkennen, was es bedeutet, in Ligen eingeteilt zu werden. Am eigenen Leib erfährt er die Nachteile des Systems. Denn auch wenn die Allianz das System als perfekt beschreibt und propagiert, so sieht es hinter den Kulissen doch ganz anders aus.
Sobald ich den Klappentext gelesen habe, war für mich klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Berührungen, die länger als sieben Sekunden andauern, gelten schon als unschicklich? Das klang total spannend und ich wollte wissen, was es damit wohl auf sich haben würde.
Jedes Kapitel, das aus Sicht der Protagonistin Novalee Levi erzählt ist, wird mit einem Auszug aus „Das perfekte System“ eingeleitet. So bekommt der Leser einen kurzen Einblick in die Regeln des Systems und wie dieses aufgebaut ist. Diese Auszüge fand ich sehr spannend und interessant. 
Gleich zu Beginn lernt man dann auch Novalee kennen und erlebt, wie sie in die Siedlung der Unverheirateten einzieht. Ihre Treue zum System ist teilweise wirklich erschreckend. Sie hat schon einiges erlebt, fängt aber trotzdem nicht an, die Regeln zu hinterfragen. Doch trotz dieser Naivität fand ich sie sehr sympathisch. Novalee geht ihren Weg und versucht einfach das Beste aus ihrer Situation zu machen. Sehr gut fand ich, dass sie nicht, sobald sie auf Graey trifft, alle ihre Überzeugungen über Bord wirft, sondern erst einmal an dem Bekannten festhält. Ihre Gefühle entwickeln sich langsam und widersprechen allem, was ihr so lange eingetrichtert wurde, so dass sie sich vorerst dagegen wehrt. Das fand ich total glaubwürdig und war für mich richtig stimmig. 
Etwas überrascht war ich, dass die Geschichte noch aus einer zweiten Perspektive erzählt wurde: Aus der Sicht von Novalees Cousin Crish. Er ist ein bisschen jünger als Novalee und erlebt gerade seine Sichtung. Das wurde im Klappentext gar nicht erwähnt, fand ich aber richtig klasse, da man durch Crish einen besseren Einblick in das System erhält. Seine Geschichte bekommt außerdem eine sehr spannende Entwicklung, die ich etwas ungewöhnlich, aber wirklich toll fand. 
Die Autorin Kerstin Ruhkieck macht es ihren Protagonisten echt nicht leicht. Beide müssen die Schattenseiten des Systems am eigenen Leib erleben, doch dadurch erfahren sie eine wirklich glaubhafte Entwicklung, die mir besonders gut gefallen hat. Ich habe die Protagonisten auf jeder Seite gerne begleitet und versucht durch ihre Augen das System wahrzunehmen. Kerstin Ruhkieck ist es meiner Meinung nach sehr gut gelungen, ihren Figuren Leben einzuhauchen, sie authentisch darzustellen und auf gewisse Weise mit dem Leser zu verbinden. 
„Forbidden Touch“ besticht in meinen Augen auch eher durch die leisen, ruhigen Töne. Es gibt nicht die große Action, die Spannung kommt eher daher, dass das Damoklesschwert ständig über den Protagonisten schwebt und dem Leser so ganz langsam die Gänsehaut den Rücken nach oben kriecht. Die Autorin legt in diesem ersten Teil die Grundsteine für eine gut durchdachte Dystopie, die den Leser mitreißt, ihn fasziniert und durch den Weltenentwurf doch auch schockiert. Dabei kommt eine Botschaft ganz klar heraus: Schönheit liegt im Auge des Betrachters und jeder Mensch ist auf seine Weise schön.
Am Ende eröffnet die Autorin dann sogar noch einmal ganz neue Fragen, die den Leser sehr neugierig auf die Fortsetzung machen und zeigen, dass das Potenzial von „Forbidden Touch“ noch lange nicht erschöpft ist.
Kerstin Ruhkieck hat mich mit ihrer Dystopie „Forbidden Touch“ total begeistert. Obwohl es in diesem ersten Teil nicht um die große Action ging, war es doch durchweg spannend, was sicher auch daran lag, dass die Protagonisten so authentisch dargestellt waren, dass man sich als Leser sofort mit ihnen verbunden gefühlt hat. 
Doch das, was dieses Buch wirklich zu etwas ganz Besonderem macht, ist die hintergründige Botschaft, die es vermittelt: Schönheit liegt im Auge des Betrachters und jeder Mensch ist auf seine Weise schön.
Ein Appell an alle: Lest dieses Buch, ihr werdet es (genau wie ich) lieben.
Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

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