Autoreninterview

Lilly London

Hallo Lilly, willkommen zu unserer kleinen Teeparty (mit kleinen Prinzessinnenkeksen). Wie schön, dass Du heute Zeit gefunden hast, etwas zu plaudern. Aber bevor ich Dich hier löchere, möchtest Du Dich vielleicht erst einmal kurz vorstellen?

 

Hallo Monika, das finde ich tatsächlich immer eine der schwierigsten Sachen, sich selbst vorzustellen, denn irgendwie klingt das immer nach Grundschule.
Nun, aber ich gebe mein Bestes.

 

Ich bin Lilly, bin nicht mehr 21 und komme aus dem Land der Berge, um genauer zu sein aus Kufstein in Tirol.

 

Du bist ja heute auch aus einem ganz besonderen Grund hier bei mir zur Teestunde erschienen … wir wollen über eines meiner liebsten Themen reden: Bücher.
Was genau hast Du denn mit Büchern am Hut?

 

Wow, ich hoffe du hast Zeit *grins*
Ich könnte jetzt natürlich pauschal sagen, ich bin Autorin und habe auch einen kleinen Buchblog, aber das würde meine Beziehung zu Büchern nicht mal ansatzweise beschreiben. Bücher begleiten mich schon mein ganzes Leben. Von den ersten Märchenbüchern (die inzwischen meine Tochter liebt) bis hin zu meiner ersten Veröffentlichung letztes Jahr. Bücher waren für mich immer mehr als eine Geschichte auf Papier. Es war eine Möglichkeit auf Reisen zu gehen, Magie und Abenteuer zu erleben, für das Gute zu kämpfen und der Realität zu entfliehen. Bücher sind Portale in andere Welten. Natürlich gab es auch Phasen in meinem Leben, in denen ich weniger gelesen habe. Teils Jahre, doch trotzdem waren die Bücher immer da und ich wusste, sie waren jederzeit bereit für eine neue Reise.
Und ich hoffe, dass ich genau dieses Gefühl, dieses Kribbeln vor einer neuen Geschichte, die Spannung, wenn sich dir eine Welt Seite für Seite erschließt auch den Lesern meiner Bücher vermitteln kann.

 

Gab es denn einen konkreten Zeitpunkt, wo Du für Dich beschlossen hast, Du möchtest selbst ein Buch schreiben?

 

Hmm… tatsächlich habe ich das erste Mal diesen Entschluss mit 10 gefasst und habe damals eine Fanfiction zu meiner Lieblingshörspielreihe verfasst … auf der Schreibmaschine meines Uropas. Und bevor jetzt alle meinen ich komme aus der Steinzeit, natürlich gab es da schon Computer aber ich habe dieses uralte Teil geliebt.

 

Oh wie süß. Wie hat sich dieser Wunsch dann bis zum ersten Buch weiterentwickelt?

 

Das nächste Mal als ich ernsthaft daran dachte war 2010, da hatte ich einen Traum der mich einfach nicht losgelassen hat und ich habe dann eine Zeitlang wirklich immer wieder drangeschrieben. Insgesamt so um die 140 A4 Seiten aber oft lagen Monate dazwischen
Aber als meine Tochter 2015 zur Welt kam und ich in Karenz war hatte ich plötzlich viel Zeit und ich entdeckte als erstes das Lesen wieder für mich und dadurch wurde auch der Wunsch zu Schreiben wieder drängender. Ich habe aber gemerkt, dass meine erste Idee, sich nicht für ein Debüt eignet. Es ist eine 7-teilige Reihe
Daher dachte ich es wäre besser mit einem Einzelband zu beginnen und eines Tages kam mir die Idee zu “Schicksal des Winters”.

Dann kam Dir also zuerst die Idee und Du hast Dich nicht bewusst für ein Genre entschieden?
Es hat ganz harmlos angefangen. Da war eine Szene, nein zu Beginn war es nur ein Satz, der mich nicht mehr los ließ, dann eine Szene und schon bald wollte ich unbedingt wissen, was die Geschichten der zwei Figuren sind, wie es soweit gekommen ist.

 

Dann kam Dir also zuerst die Idee und Du hast Dich nicht bewusst für ein Genre entschieden?

 

Nein, für mich steht die Idee immer im Vordergrund, aber ich möchte mir auch für die Zukunft alle Genre offen halten. Hier bei mir liegen noch Plots für Liebesromane, Fantasy, Märchenadaptionen, Jugendbüchern etc.

 

Dann bleibst Du gar nicht den Märchenadaptionen treu? Dabei gibt es doch noch so viele Märchen, die man “umwandeln” könnte …

 

Ich liebe Märchenadaptionen, aber ich will mich nicht ausschließlich auf sie festlegen, auch wenn ich bei “Das Schicksal des Winters” gemerkt habe, wie viel Spaß es mir macht, Märchen, Mythen und Legenden zu etwas Neuem zusammenzufügen.
Und es gibt durchaus Märchen, die ich noch im Hinterkopf habe.
Dein neues Buch “Grimoria – Vertraue niemals einer Taube” ist ja auch eine Märchenadaption. Suchst Du Dir gezielt das Märchen aus und bastelst dann die Idee drum rum oder überlegst Du einfach, zu welchem Märchen die Idee am besten passen könnte?

 

Hmmm…verschieden. Bei „Schicksal des Winters“, war es ja im Endeffekt der Disneyfilm der mich auf die Idee gebracht hat im weitesten Sinne, weil der bei uns eine Zeit lang in Endlosschleife lief. Bei „Grimoria“, war es eine Situation im realen Leben die mich ins Grübeln brachte
Und ich stellte dann einfach fest, dass es einfach perfekt zu einem Märchen passen würde.

 

Das klingt, als wärst Du recht frei in Deinen Entscheidungen und würdest einfach darauf warten, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt …

 

Ja, so kann man das sagen, doch wenn die Idee erstmal da ist, muss ich erst die ganze Geschichte kennen um wirklich frei schreiben zu können, das heißt ich plotte vorher das ganze Buch und fange erst dann an zu schreiben.

 

Wie müssen wir uns das Ganze vorstellen? Hast Du ein Whiteboard, eine Flipchart oder kritzelst Du in ein Notizbuch?

 

Also als erstes kritzle ich Stichpunkte in mein Notizbuch (dauert meist so 1-2 Wochen). Alles was mir zu der Grundidee einfällt. Danach siebe ich das aus (denn nicht alles ist im Endeffekt verwendbar) und schreibe die grobe Handlung am PC nieder. (Im Schnitt so ca. 10 A4 Seiten pro Buch)

 

Wie geht es dann weiter?

 

Danach beginne ich im Manuskript und führe nebenbei Listen über Namen, Orte, Rituale etc., denn ich finde es megawichtig, dass ein Buch stimmig und logisch ist.
Sobald ich das Manuskript beendet habe (und natürlich ändert sich öfter was zwischen ursprünglichen Plot und tatsächlichen Manuskript, denn manche Sachen ergeben sich einfach beim Schreiben. Denn ob man es glaubt oder nicht, Buchfiguren, haben ihren eigenen Kopf und wollen nicht immer so wie der Autor), überarbeite ich es einmal und dann geht es zu meinen Testlesern.

 

Das klingt nach sehr viel Arbeit … wieviel Zeit nimmt so ein Prozess bei Dir in Anspruch?

 

Bis es tatsächlich veröffentlich ist meist ein Jahr, wobei das Schreiben meist schon ein halbes Jahr einnimmt.
Doch gerade im Moment stelle ich mich einer besonderen Herausforderung. Ich möchte versuchen ein Buch (Rohversion) innerhalb von 3 Monaten zu schreiben. Ich bin gespannt ob ich es schaffe und ich möchte auch versuchen Bücher parallel zu schreiben.

 

Für mich hört sich das nach einer echten Herausforderung an. Ich habe ja so schon einen riesigen Respekt vor Autoren und deren Leistung. Setzt Dich so ein Ziel nicht unter Druck?

 

Jein, klar weiß ich, dass es schwierig ist, aber ich will versuchen, wie es mir liegt, mit einer Deadline zu arbeiten und eine gute Freundin macht den selben Versuch, ich bin also nicht alleine.
Aber noch stehe ich am Anfang und arbeite am Plot, bzw. an den Stichworten.

 

Gemeinsam ist es immer leichter. Ich drücke euch auf jeden Fall ganz fest die Daumen.
Kannst Du uns denn schon ein bisschen etwas verraten, woran Du gerade arbeitest oder ist das noch streng geheim?

 

Tatsächlich ist es geheim. Unter dem Hashtag #dTW werde ich aber hin und wieder Infos zum Geheimprojekt geben. Nur soviel, es wird eine Märchenadaption aber es wird trotzdem mit Legenden und Mythen zu tun haben.
Und natürlich arbeite ich auch weiter am zweiten Teil von Grimoria.

 

Dann müssen wir hoffentlich nicht zu lange auf die Fortsetzung von Grimoria warten …

 

Ich bemühe mich, es so schnell wie möglich zu machen. Allerdings muss ich dazu sagen, das Grimoria für mich einfach ein Buch für den Frühling ist und daher wahrscheinlich erst 2020 erscheinen wird. Im SP werde ich wohl dieses Jahr nichts mehr veröffentlichen, Außer eventuell eine Kurzgeschichte, die ein Prequel zu einer anderen Geschichte darstellt die ich noch schreiben will.

 

Im Selfpublishing? Das hört sich so an, als wäre noch eine Verlagsveröffentlichung geplant …

 

Nein, geplant ist nichts, aber ich spiele immer wieder mit dem Gedanken irgendwann mal im Verlag zu veröffentlichen, obwohl ich gerne Selfpublisher bin, aber mich würde dieser Weg schon alleine aus Neugierde interessieren. Am liebsten würde ich irgendwann als Hybrid-Autor arbeiten, halb Verlag, halb Selfpublisher. Daher auch die 3-Monats-Challenge. Ich möchte dieses Manuskript eventuell bei Verlagen einreichen.

 

Wonach wählst Du die Verlage aus, denen Du das Manuskript zusendest?

 

Gute Frage, es gibt eigentlich kaum Verlage, die ich direkt anschreiben würde, sondern eher Agenturen, aber ich habe einen Verlag wo ich mein Manuskript wohl direkt einreichen werde. Prinzipiell ist es mir wichtig, dass es ein seriöser Verlag ist und die Qualität der Bücher stimmt (Cover, Innendesign, Haptik, Lektorat, Korrektorat). Genauso wichtig finde ich aber auch seine Reputation und ob er auch selbst Marketing für die Autoren betreibt. Denn ich denke nur wenn es von beiden Seiten aus Einsatz gibt kann eine Zusammenarbeit gut klappen.

 

Überlegst Du, bei einem Verlag zu veröffentlichen, um auch mal die Aufgabe mit dem Marketing in andere Hände zu geben? Denn das ist neben dem Schreiben ja inzwischen auch eine sehr wichtige und zeitaufwändige Aufgabe eines Autors, oder?

 

Ja, das ist einer der Gründe. Natürlich musst du selbst trotzdem aktiv Marketing betreiben, doch man muss sich nicht um alles selber kümmern und hat so effektiv mehr Zeit zum schreiben, daher wäre ich gerne Hybridautorin.

 

Was machst Du alles in Sachen Marketing? Hast Du ein paar Tipps für andere Autoren?

 

Ganz Verschiedenes … von Teasern über Lesezeichen, Illustrationen, Goodiebags, Buchboxen, oder wie bei Grimoria eine komplette Vorgeschichte. Wichtig ist, es darf nicht lieblos sein. Man sollte sich immer fragen, an was man selbst Freude hat und versuchen sich etwas Originelles auszudenken. Natürlich gehören auch die Klassiker dazu aber man sollte doch immer noch zusätzlich etwas in der Hinterhand haben.
Prinzipiell gilt aber visuelles Marketing wird besser angenommen, als ein langer Text. Paradox, wenn man bedenkt, dass es dabei um Bücher geht, aber es ist so.

 

Haha, stimmt, das ist wirklich paradox, aber da ich selber ein visueller Typ bin, kann ich das gut verstehen.
Setzt Du beim Marketing auch auf die Zusammenarbeit mit Bloggern und wenn ja, worin siehst Du dabei die Vorteile?

 

Ja, Blogger sind enorm wichtig. Erstens hat man durch die Blogger nunmal viel Reichweite, doch dieser Grund ist es gar nicht primär. Der große Vorteil ist, dass du mit Bloggern gemeinsam Aktionen überlegen kannst, du bekommst Feedback zu Ideen und ehrliche Meinungen. Ein weiterer Effekt ist natürlich, dass die Follower der Blogger sich ja meist auf deren Geschmack verlassen und ihnen vertrauen. Kein Teaser ist so wertvoll, als ein Blogger, der ehrlich begeistert von deinem Buch ist. Denn diese Meinung, diese Reaktion ist echt.

 

Hast Du dafür ein festes Bloggerteam oder arbeitest Du immer wieder mit anderen Bloggern zusammen?

 

Ich habe ein festes Team. Meine Storywelt Squad und diese 10 sind mir auch unheimlich wichtig. Das fühlt sich für mich immer so ein bisschen wie meine Tafelrunde an. Natürlich arbeite ich auch immer wieder mal mit anderen Bloggern aber die Squad ist meine Spezialeinheit.

 

Was bringt einem Autor ein festes Bloggerteam?

 

Ich persönlich finde, dass man mit der Zeit einfach super zusammenwächst und sich super aufeinander einspielt. Was nicht heißt, dass es nie Veränderungen im Team gibt. Ich für meinen Teil frage vor jedem Release ob jeder wieder mitmacht. Außerdem weiß man einfach auch, dass man sich auf diese Leute verlassen kann, denn wie unter Autoren auch, gibt es leider auch unter Bloggern die, die einfach nur nehmen und sonst niemals einen Finger rühren.

 

Ja, schwarze Schafe gibt es leider überall. Was war denn für Dich das schönste Erlebnis, das Du als Autorin bis jetzt hattest?

 

Uhh, da gab es viele, eigentlich immer wenn jemand sagte, ihn haben meine Geschichten berührt, bei manchen Rezis musste ich sogar weinen. Aber so speziell kann ich es wirklich nicht sagen.

 

Was würdest Du Dir denn noch wünschen? Also was würdest Du in Deinem Autorenleben gerne noch erleben?

 

Ganz ehrlich, ich würde super gerne, mal ein Meet & Greet machen und mit den Leuten über die Bücher reden, Fragen beantworten, schwärmen, eventuell eine Lesung halten. Also eigentlich so kleine Dinge.

 

Ist das vielleicht ein “To do” für die Frankfurter Buchmesse 2019?

 

Ich weiß nicht, ich glaube, dazu bin ich einfach zu unbekannt. Ich muss aber zugeben, dass ich mich auch noch gar nicht informiert habe, wie man sowas am besten aufzieht.

 

Aber Du wirst dieses Jahr auf der FBM zu finden sein?

 

Ja, das Zimmer ist schon lange gebucht.

 

Sehr schön, dann kann man dich dort auf jeden Fall treffen … ich freu mich schon drauf und denke, dass es vielen anderen auch so geht.
Doch jetzt möchte ich mich ganz herzlich für Deine Zeit und Geduld bedanken und dafür, dass Du Dich meinen Fragen gestellt hast.

 

Immer wieder sehr gerne und ich hoffe auch, dass wir uns dieses Jahr wiedersehen.

 

Weitere Infos zu Lilly London findet ihr hier: https://www.facebook.com/LillyLondonAutorin/

 


Autorenfoto: Lilly London
Coverrechte: Lilly London

 

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