Contemporary,  Rezension

Ein Zuhause für immer

Cover 

 

 Titel: Ein Zuhause für immer
 Autor/in: Gill Lewis
 Verlag: dtv
 Seitenzahl: 214
 Preis: 14,95 € (D)
 Cover / Bildrechte: dtv Verlag

 

Inhalt:

Die 12jährige Scarlet hat in ihrer Familie die gesamte Verantwortung. Ihre Mutter schläft meist oder starrt vor sich hin, während das Mädchen sich um ihren autistischen Bruder Red kümmert, einkauft, kocht und die Wohnung in Ordnung hält.
Vor allem wenn die Mitarbeiterin vom Jugendamt kommt, spielt Scarlet das perfekte Theater. Das geht solange gut, bis ihre Mutter mit einer brennenden Zigarette einschläft und die gesamte Wohnung in Brand steckt.
Zwar können alle gerettet werden, doch von da an müssen sie getrennte Wege gehen. Obwohl Scarlet in einer liebevollen Pflegefamilie unterkommt und endlich Kind sein darf, kann sie das nicht richtig genießen, weiß sie doch, dass ihr Bruder sie dringend braucht.

Meine Meinung:

Da ich selber mit Kindern mit Autismus gearbeitet habe, wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. 
Mit dem Buch wird man sofort in das Leben von Scarlet hineingeworfen und erlebt wie das Mädchen die gesamte Verantwortung in der Familie übernimmt. Anfangs weiß man lange nicht, wie alt das Mädchen ist und als ich erfuhr, dass sie erst 12 ist, war ich total erstaunt. Mir kam sie viel älter vor, fast schon erwachsen, wie sie für sich, ihren Bruder und ihre Mutter sorgt. Da liegt wirklich sehr viel Verantwortung auf dem kleinen Mädchen und ich hatte richtig Mitleid mit ihr, wobei sie das selber nicht so zu empfinden scheint. Für sie ist es normal, es ist ihr Leben und sie beschwert sich nicht einmal. Es ist erschreckend, wie diese Kinder einfach so die Rolle eines Erwachsenen übernehmen und überhaupt nicht mehr Kind sein dürfen. Leider gibt es das öfter, als uns bewusst ist und ich finde es großartig, dass die Autorin Gill Lewis dieses Thema aufgreift und so einfühlsam und authentisch darüber spricht. Mich hat Scarlets „Schicksal“ auf jeden Fall sehr berührt.
Auch Red ist ein wirklich interessanter Charakter und ich finde es sehr interessant, dass im gesamten Buch nicht ein einziges Mal der Begriff „Autismus“ vorkommt. Der Junge wird als besonders bezeichnet und man findet viele Verhaltensbeschreibung im Buch, doch es wird ihm kein Etikett aufgedrückt. Da ich selber mit Kindern und Jugendlichen in diesem Bereich gearbeitet habe, fand ich das richtig klasse. Denn es gibt nicht „das autistische Kind“. Jeder Mensch ist anders und so ist auch jeder mit Autismus anders. Reds Verhaltensweisen passen zwar in das Erscheinungsbild, wie man es überall lesen kann, aber trotzdem mochte ich es, dass er einfach so genommen wird, wie er ist. Zumindest von seiner Schwester. 
Doch neben diesen beiden Themen arbeitet die Autorin noch mehr ernste Aspekte in ihre Geschichte ein: Da findet man Depressionen und Völkerwanderung, Heimat und Zugehörigkeit. Und das alles auf nur 200 Seiten. Natürlich wird dabei vieles nur angerissen, aber Gill Lewis erklärt das im Nachwort auch und ich finde, dass es sehr gut zur Geschichte passt, dass nicht alles bis ins kleineste Detail geklärt wird. Vieles soll auch einfach nur zum Nachdenken anregen und den Blick des Lesers auf diese Ereignisse schärfen. Gerade, wenn es um Kinder geht, die zu viel Verantwortung übernehmen, fällt das doch lange nicht auf, da diese es bis zur Perfektion beherrschen, ihre Situation zu verstecken.

 

Fazit:

Ich habe „Ein Zuhause für immer“ in einem Rutsch gelesen. Viele Aspekte werden zwar nur angerissen, aber das stört bei dieser Geschichte überhaupt nicht, denn sie soll den Leser einfach zum Nachdenken anregen und den Blick schärfen. 
Gill Lewis ist es in meinen Augen wirklich sehr gut gelungen, die ernsten Themen aufzugreifen und in eine mitreißende Rahmenhandlung einzubetten. Ein Buch, das mich wirklich berührt hat.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

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