Autoreninterview

Helena Faye

Hallo Helena, vielen Dank, dass Du Dir heute Zeit für mich nimmst. Könntest Du Dich bitte kurz vorstellen, damit meine Leser auch wissen, mit wem sie es zu tun haben?
Hallo Moni, ich danke dir für die Möglichkeit. Ich bin Helena Faye, Autorin im Bereich Fantasy und nordische Mythologie. Neben dem Schreiben bin ich hauptberuflich Mutter von zwei Kindern und Ehefrau und wohne in NRW.

 

Hauptberuflich Mutter? Ich weiß selbst, wie stressig das ist. Wann findest Du da Zeit zum Schreiben?
Die Frage stelle ich mir auch oft. Ich schreibe eigentlich immer erst abends, wenn die Kinder im Bett sind. Meine Arbeitszeit ist meistens ab 19:30 Uhr und endet, wenn ich die Augen nicht mehr offen halten kann. Bisher hat das gut funktioniert.

 

Das klingt aber tatsächlich auch sehr anstrengend. Bist Du da denn so strukturiert und diszipliniert, dass Du da dann immer auf Kommando schreiben kannst?
Es gibt natürlich Abende, da bin ich zu müde zum Arbeiten. Wenn der Kopf nicht will, macht es keinen Sinn, sich zu zwingen, das merkt man den Texten nämlich dann an. An allen anderen Abenden klappt es aber erstaunlich gut. An den Wochenenden schreibe ich meist nicht, sodass meine Kreativität wieder aufladen kann.

 

Oh wie ungewöhnlich, dass Du Dir an den Wochenenden eine Pause gönnst. Ist das eine goldene Regel von Dir und welche hast Du Dir sonst noch selbst auferlegt?
Dass ich an den Wochenenden nicht schreibe, ist den Arbeitszeiten meines Mannes geschuldet. Unter der Woche ist er nämlich selten zu Hause, sodass wir am Wochenende Familienzeit haben und abends dann gemeinsam Filme schauen. Ansonsten ist meine goldene Regel, nichts zu erzwingen. Man setzt sich viel zu oft selbst unter Druck und ist frustriert, wenn man nicht das schafft, was man sich vorgenommen hat. Das ist weder gesund, noch förderlich für eine kreative Tätigkeit.

 

Eine sehr gesunde Einstellung. Hast Du Dir denn dann bei Deinem Debüt auch Zeit gelassen oder wie lief der Schreibprozess da ab?
Ja, ganze neun Jahre. Ich schätze, mein Debütroman fällt etwas aus dem Raster, weil ich angefangen habe, ihn zu schreiben, als ich noch keine Ambitionen hatte, ihn auch zu veröffentlichen. Dementsprechend habe ich mir viel Zeit gelassen und ihn auch mal jahrelang nicht angefasst. Aber ja, als ich letztes Jahr beschlossen hatte, ihn zu veröffentlichen, gefiel mir der Schreibstil plötzlich gar nicht mehr, sodass ich beschlossen habe, ihn komplett neu zu schreiben. Da hätte ich mit einer einfachen Überarbeitung nur mehr Schaden angerichtet. Also habe ich im Januar noch einmal neu angefangen und mir kein zeitliches Limit gesetzt. Dass es letztendlich nur neun Monate gedauert hat bis zur Veröffentlichung, war auch für mich eine sehr positive Überraschung.

 

Woher kam denn dann plötzlich der Wunsch, das Buch doch veröffentlichen zu wollen?
Ich habe vor etwa anderthalb Jahren mit Instagram angefangen und die Community, die positiven Rückmeldungen und vor allem viele liebe AutorInnen, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen, haben dafür gesorgt, dass ich daran geglaubt habe, dass ich mein Buch veröffentlichen kann. Die vier Kurzgeschichten, die ich dann letztes Jahr veröffentlicht habe, haben mir die Erfahrung geschenkt, mir gezeigt worauf ich zu achten habe, und meinen Schreibstil gefestigt. Durch diese Erlebnisse ist Calior letztendlich das geworden, was es jetzt ist.

 

Und was genau ist es denn? Magst Du uns ein bisschen etwas über Dein Debüt erzählen?
Calior ist ein Jugendfantasyroman. Meine Protagonistin Jamie erfährt an ihrem siebzehnten Geburtstag, dass sie eine Hexe ist und muss dann auf die magische Akademie in London wechseln, um zu lernen, mit ihren Fähigkeiten umzugehen. Als ihre Tante entführt wird, muss sie mit Freunden in das magische Land Calior reisen, um sie zu retten. Die Charakterentwicklung von Jamie ist in der Geschichte entscheidend, da sie anfangs eine sehr schüchterne Person ist, die in der Schule gemobbt wird. Für mich war es wichtig, zu zeigen, wie sie sich in Gesellschaft der richtigen Menschen entwickelt. Außerdem lernt sie im Laufe des Buches noch einiges über ihre Vergangenheit. Und natürlich gibt es auch eine kleine Lovestory.

 

Hexe, magische Akademie … klingt ein bisschen nach Harry Potter. Wird in „Calior“ auch der Zauberstab geschwungen?
Das könnte man denken. Tatsächlich ist die einzige Gemeinsamkeit zu Harry Potter, dass sie an einer Schule etwas über ihre Magie lernt. Ansonsten haben die beiden Geschichten nicht sehr viel miteinander gemein. Auch keine Zauberstäbe.

 

Wird es denn noch mehr von „Calior“ geben oder ist das ein Einzelband?
Nein, Calior ist ein Einzelband und in sich abgeschlossen. Jamies Geschichte ist erzählt und ich möchte mir auch nicht irgendeine Fortsetzung aus den Fingern saugen, nur um noch ein Buch anzuschließen. Jetzt ist die Zeit für neue Geschichten.

Schreibst Du denn schon an einer neuen Geschichte?
Ja, sogar an zwei. Die eine ist noch geheim, doch es fühlt sich schon nach einem neuen Herzensprojekt an, das ich kaum zur Seite legen kann und das mir nie aus dem Kopf geht. Das andere ist ein Fantasyprojekt, das ich gemeinsam mit meiner Autorenkollegin Sarah Skitschak schreibe. Eine tolle Story, die wir zusammen geplottet haben, und die im nächsten Herbst erscheinen wird.

 

Also bleibst Du vorerst bei Fantasy?
Ja. Fantasy ist einfach mein liebstes Genre, das ist auch beim Lesen schon sehr lange so. Und ich habe noch so viele Ideen, dass ich wohl noch einige Fantasybücher veröffentlichen werde. Das geheime Projekt ist aber tatsächlich aus einem anderen Genre. Aber dazu erzähle ich bei Gelegenheit mal mehr.

 

Gut. Wie bist Du denn auf die Idee gekommen, ein Buch zu zweit zu schreiben? Das stelle ich mir ja sehr schwierig vor.
Nicht schwierig, aber es bedarf viel Planung. Mein Schreibstil ist Sarahs sehr ähnlich, wodurch es keine riesigen Abweichungen geben wird. Wir haben letztes Jahr schon gemeinsam mit zwei weiteren Autorinnen die Anthologie “Julzauber“ veröffentlicht und sind einfach auf einer Wellenlänge. Wir haben zwei Protagonisten, aus deren Perspektive wir abwechselnd schreiben, was sich sehr gut planen lässt. Es ist auf jeden Fall etwas anderes, als alleine zu schreiben, macht aber wahnsinnig viel Spaß.

 

Dann schreibt ihr abwechselnd die Kapitel oder wie muss man sich das vorstellen?
Genau. Sarah schreibt als Protagonist Joran, ich als Protagonistin Yrsa. Wir wechseln uns ab und ergänzen die Erzählung so Stück für Stück aus zwei verschiedenen Perspektiven.

 

Kannst Du schon ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, worum es gehen wird?
Ein kleines bisschen. Das Setting wird eine mittelalterlich angehauchte Welt sein, in der es Gebirge, Flüsse, Dörfer, Klippen und Wälder gibt. Joran, der Protagonist, ist über 140 Jahre alt und unsterblich, obwohl er es lieber nicht wäre. Woran die Unsterblichkeit liegt, können wir momentan leider noch nicht verraten. Yrsa dagegen ist 21 Jahre alt und die Tochter des Herrschers. Doch sie ist nicht privilegiert, sondern eine Gefangene in ihrem eigenen Zuhause. Ihr Vater verachtet und hasst sie, quält sie und verbietet ihr, die Festung zu verlassen. Beide Protagonisten haben also ihre Probleme und sind seelisch angeschlagen. Die Geschichte führt sie natürlich irgendwann zusammen. Was dann passiert, bleibt auch noch geheim. Nur so viel: Es gibt Magie, aber ganz anders, als wir sie normalerweise kennen.
Das klingt unglaublich spannend. Also ist es für Herbst 2021 geplant? Werdet ihr uns denn vorab auf euren Social Media Kanälen ein paar Einblicke geben? Oder wie sieht euer Marketingplan aus?
Genau, im Herbst 2021 erscheint das Buch “Die Knoten der Ewigkeit” bei Edition Roter Drache. Mit unserer Bekanntgabe im Livestream letzte Woche fiel auch der Startschuss für die Vermarktung, es wird also immer mal wieder Schnipsel, Infos, Coverreveal und ähnliches auf unseren Social Media Kanälen geben, auf die ihr euch freuen könnt.
Das klingt super. Habt ihr denn auch vom Verlag Vorgaben, was ihr machen dürft?
Im November wird es ein Treffen mit dem Verleger geben, mehr weiß ich bisher noch nicht.

 

Dein Debüt hast Du ja im Selfpublishing veröffentlicht. Wieso hast Du Dich dieses Mal für einen Verlag entschieden?
Das Selfpublishing ermöglicht Autoren viel Freiheit, sowohl zeitlich als auch inhaltlich. Es hat Spaß gemacht, alles selbst zu machen, alles nach meinen Vorstellungen zu erschaffen, gerade beim ersten Buchbaby sollte man einfach keine Abstriche machen müssen. Mich reizt aber auch die Arbeit mit einem Verlag, der vor allem Cover, Lektorat und solche Dinge übernimmt. Ich bin gespannt, wie die Unterschiede sind und ob es mir vielleicht Zeit und Stress erspart. Es ist immer gut, beide Seiten zu kennen. Das andere Projekt plane ich momentan aber im Selfpublishing, es wird also vermutlich beides bei mir geben.

 

Wie spannend. Ich finde ja auch immer, dass man alles mal probiert haben sollte, um zu sehen, was besser zu einem passt. Ein sehr guter Tipp also. Hast Du denn zum Ende unseres Interviews noch weitere Tipps an (angehende) Autoren oder möchtest Du den Lesern noch etwas sagen?
Angehenden Autoren möchte ich gerne sagen: Glaubt an euch selbst und arbeitet an euren Träumen. Ein Traum kann sich erfüllen, wenn man hart genug dafür arbeitet. Lasst euch nicht entmutigen von Absagen oder negativer Kritik. An die Leser unter euch: Bitte gebt Selfpublishern eine Chance. In der Buchbranche haben selbstverlegte Bücher noch immer einen schlechten Ruf, Buchhandlungen nehmen meist nur Verlagsbücher ins Programm. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber ich bitte euch, seid aufgeschlossen! Ich habe auch erst vor anderthalb Jahren angefangen, Bücher von Selfpublishern zu lesen, und seitdem so viele Schätze und wundervolle Geschichten entdeckt, die mir sonst verborgen geblieben wären.

 

Da kann ich Dir nur zustimmen. Unter den Selfpublishern gibt es so viele Perlen, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Danke also für diese Worte und natürlich auch für Deine Zeit.
Sehr gerne. Vielen Dank für das Interview, hat Spaß gemacht.

Bild: Pixabay

Autorenfoto: Helena Faye

Coverrechte: Helena Faye

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