Autoreninterview

Christine Heimannsberg

Hallo Christine, schön, dass Du Dir heute Zeit für meine Fragen nimmst. Könntest Du Dich bitte kurz vorstellen, damit meine Leser wissen, wer mir hier Rede und Antwort steht?
Hallo Monika, sehr gerne und vielen Dank für die Einladung! Ich heiße Christine Heimannsberg und ich bin Autorin. Zurzeit gibt es drei Bücher von mir, die dystopische Climate Fiction Trilogie „Gelobtes Land“, außerdem veröffentliche ich bald mein erstes Sachbuch: einen Guide für Selfpublisher und solche, die es werden möchten. Ich bin Mutter zweier Teenager (13 und 17), happily married und lebe auf dem Land.

 

Climate Fiction Trilogie klingt, als würdest Du dort sehr aktuelle Ereignisse aufgreifen. Worum geht es denn in “Gelobtes Land”?
Gelobtes Land spielt in Europa nach dem Klimakollaps. In diesem Szenario sind die Polkappen abgebrochen und haben weite Teile der Länder überflutet. Unruhen folgten, die Gesellschaft veränderte sich hin zu einem patriarchischen Clan-System. Lore, die Hauptfigur, ist eine Bauerstochter und muss Hals über Kopf mit ihrem Bruder fliehen. Sie suchen nach dem Gelobten Land, einem mystischen Ort der angeblich den sogenannten “Vorfall” ohne Schäden überstanden hat und wo die Menschen in Frieden und Wohlstand leben. Im zweiten Band lernen wir eine ganz andere Gesellschaft kennen, die nach dem Vorfall zu einer scheinbar perfekten Lebensform fand, doch beim näheren Hinsehen bröckelt das Bild. Im dritten Band geht es um die Macht von Fakenews und wie sich Lore trotz allem ihren moralischen Kompass und die Liebe bewahrt.

Das klingt, als würde Dir das Thema Klimawandel sehr am Herzen liegen. Hast Du deshalb diese Dystopie geschrieben, um eine Botschaft zu vermitteln?
Ja, so ist es. Ich las vor Jahren das Buch “10 Milliarden”, geschrieben von einem Wissenschaftler der in einem Thinktank arbeitet und war so geschockt von den ausgemalten Szenarien. ich weiß aber auch, dass das Thema viele abschreckt, weil es polarisiert und man sich schnell schuldig fühlen kann. Ich möchte keinen Zeigefinger heben, ich übe jeden Tag selber ein bisschen nachhaltiger und für die Welt gesünder zu leben und konsumieren. Also wollte ich einen anderen Weg finden mich mit dem Thema zu beschäftigen und es auch zu verarbeiten. Dafür eignete sich das Climate Fiction Setting sehr gut. Aber die Story da drin könnte auch die Geschichte eines Mädchens aus Nordkorea sein, oder aus dem ländlichen Deutschland der 50iger Jahre sein. Es geht um Mut und das Überwinden von großen Herausforderungen.

 

Ist es denn eine Dystopie, die schon Jugendliche lesen können oder sagst Du, dass diese eher für Erwachsene geeignet ist (vielleicht gibt es ja viel Gewalt etc.)?
Ich denke die Bücher eignen sich für Leser*innen ab 14, frühestens ab 13 Jahre. Es gibt aber nicht besonders viel körperliche Gewalt darin.
Ich habe aber festgestellt, dass meine Leser eher älter sind, also erwachsen, obwohl die Protagonistin 18 Jahre alt ist.

 

Denkst Du, das kommt daher, dass man erst im Erwachsenenalter so wirklich bewusst über solche Thema nachdenkt oder könnte es sein, dass die nächste Generation damit auch schon sensibler umgeht, aufgrund von Aktionen wie Fridays for future etc.?
Ich bin überzeugt, dass die kommende Generation die nötige Sensibilität für das Thema aufweist, vielleicht sogar mehr, als z.B. manche 50Jährigen. Mir scheint, dass Erwachsene meinen Erzählstil mögen. Oder ich habe das Buch noch nicht genug unter Jugendlichen promoted ; ) Nee, es gibt auch jugendliche Leser*innen, aber ich bekomme von ihnen nicht so viel mit, wie von den älteren Leser*innen.
Wie kommt man denn als Autorin überhaupt in Kontakt mit seinen Lesern?
Ja, das ist echt eine Aufgabe! Zum einen natürlich über Blogger wie dich zum Beispiel. Ich versuche viel mit Bloggern zusammenzuarbeiten und die Beziehungen auch zu pflegen. Dann natürlich über Buchmessen, so hätte ich zum Beispiel dieses Jahr wieder einen Stand auf der LBM gehabt. ich veranstalte Leserunden auf Lovelybooks, biete jede Neuerscheinung auf NetGalley als Leseprobe an und organisiere örtliche Lesungen. Durch NetGalley habe ich einige Buchhändler überzeugen können, so dass es auch etwas Hilfe von dieser Seite gibt.

 

Das ist toll, das freut mich. Da bist Du aber auch wirklich sehr engagiert. Ist das etwas, das Dir tatsächlich Spaß macht: Buchmarketing oder ist das eher eine lästige Pflicht für Dich?
Mittlerweile macht es mir Spaß, weil ich auch immer mehr lerne und zunehmend Ehrgeiz entwickle ; ). Am Anfang hat mich das gestresst. Aber ich mache gerne neue Erfahrungen und seit ich das Ganze als mein Start-Up Unternehmen betrachte, ist ein ganz neues Gefühl dazu gekommen: Stolz, auf das was ich geschafft habe. Das ist sehr schön.

 

Du hast ja vorher schon erzählt, dass es demnächst auch ein Sachbuch von dir zu diesem Thema geben wird. Magst Du uns da noch genauer erzählen, worum es da gehen wird?
Gerne. Das Buch wird “Welcome to the Jungle – Dein Guide durchs Selfpublishing Dickicht” heißen. Denn so erschien es mir oft selber: wie ein unüberschaubarer Dschungel an Möglichkeiten und Gegnern. Ich trage in diesem Guide alles zusammen, was ich gelernt habe und welche Erfahrungen ich mit welchem Tool machte. Alles was ich nicht ausgetestet habe, habe ich für meine Leser*innen recherchiert. Es ist, obwohl es ein Sachbuch ist, ein recht persönliches Buch geworden und ich hoffe, dass es sich für die Leser*innen anfühlt, als würde ich ihnen bei einem gemütlichen Kaffee alles weitergeben, damit sie bestmöglichst ihren Weg durch den Dschungel finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das finde ich tatsächlich toll, also wenn man seine Erfahrungen an Kollegen weitergibt. Aber ist es nicht etwas völlig anderes, ein Sachbuch zu schreiben, als einen Roman?
Ja, schon. Dies hier war leichter. Da ich aber selber sehr gerne Sachbücher lese, ging es mir ganz gut von der Hand. Und ich sehe es eben so, wie du schreibst. Ich teile meine Erfahrungen und erhebe nicht den Anspruch die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Das ist ein wichtiger Aspekt – so konnte ich frei in der Gestaltung und Sprache bleiben.
Mir war es besonders wichtig humorvoll zu bleiben, was auch ganz gut tat nach drei Dystopien.

 

Spannend. Dann hast Du also einfach mal etwas ganz anderes gebraucht. Und wie geht es dann jetzt weiter? Also was kommt nach dem Sachbuch? Gibt es schon Pläne?
Ja, ich habe zwei Buchideen und schwanke zwischen Mystery Thriller oder einem leichten Sommer-Strand-und Liebesroman. Deine Leser*innen dürfen gern mitvoten!

 

Du überlässt die Entscheidung den Lesern?
Gewissermaßen. Schreiben werde ich beide sicherlich, aber die Leser dürfen entscheiden, welches zuerst. Ich nehme auch auf meinen FB und Insta-Accounts Votes entgegen.
Momentan steht es besser für den Mystery Thriller.

 

Das ist ja spannend. Finde ich tatsächlich mal eine richtig coole Aktion. Aber was ist, wenn Du, sollte der Mystery Thriller gewinnen, doch eher in Liebesroman Stimmung bist?
Dann muss ich schnell schreiben.
Aber tatsächlich zieht es mich gerade zum leichteren Genre- sicher auch wegen Corona. Ich nehme aber an, was gevotet wird!

Wie bist Du auf die Idee gekommen, die Entscheidung Deinen Lesern zu überlassen?
Ich war selber am überlegen, welches ich zuerst schreiben soll und da dachte ich, dass ich einfach meine Leserinnen und Follower frage, worauf sie Lust haben. Ich möchte dieses Einbeziehen auch beim Schreiben beibehalten, z.B. dass sie Namen der Charaktere mitbestimmen können, oder wenn es in der Geschichte in die oder die Richtung weiter gehen könnte. Mal sehen, was mir auf dem Weg so einfällt.

 

Das klingt tatsächlich sehr spannend, stell ich mir aber auch schwierig vor, weil man ja dabei auch ein stückweit eigene Kontrolle über die Geschichte abgibt, oder nicht?
Nein, ich glaube nicht, weil ich bestimmte Parameter vorgebe. ich würde nun keine Namen zur Auswahl stellen, die mir nicht passend erscheinen oder Elemente mit hineinnehmen, die dramaturgisch nicht passen. Ich erhoffe mir eher gegenseitige Inspiration und dass die Leserinnen schon auf dem Weg zum Buch eine Verbindung herstellen können, vielleicht sogar sich darin ein Stück weit wiederfinden.

 

Ja, ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Leser, die am Entstehungsprozess beteiligt waren, dann auch nochmal lieber zum Buch greifen. Also eine schöne Strategie. Hast Du denn in Deinem näheren Umfeld auch jemandem, der bei Deinen Geschichten mitreden darf?
Jein. Ich bin normalerweise während des Schreibprozesses sehr verschwiegen, frage höchstens mal meine Schwester oder meinen Mann, wie sie ein bestimmtes Problem sehen. Z.B. hatte ich bei Band 2 der Gelobtes Land Trilogie bei etwa 80 gemerkt, dass ich die Gesellschaft der Neuen Welt nicht richtig greifen kann. Da kamen dann sehr hilfreiche Ideen zusammen. Aber ansonsten, darf niemand das Buch lesen, bevor ich es nicht mindestens einmal überarbeitet habe.
Es wird also eine völlig neue Erfahrung. Ich kann mir aber vorstellen, dass es mit “Fremden” leichter geht, als mit Menschen, die mir sehr nahe stehen.

 

Warum das?
Man hat auf die Menschen im Umfeld ja einen bestimmten Blick oder auch eine bestimmte Rolle inne. Wenn ich schreibe, ist das wie meine geheime Seite. Kritik von Seiten meines Mannes schneidet dann besonders ins Fleisch, zum einen, weil ich möchte, dass er mich möglichst immer super findet, zum anderen, weil es sich dann anfühlt, als lehne er diese geheime Seite ab.
Was er natürlich nicht tut. Menschen die sich kein Bild von mir aus Gewohnheit oder durch jahrelange Beziehung von mir machen, vermischen mich nicht mit dem Geschriebenen.

 

Wie gehst Du denn allgemein mit Kritik um, auch von Lesern?
Solange sie konstruktiv ist, bilde ich mir ein gut. Zum einen habe ich das große Glück sehr viel gutes Feedback zu bekommen, das hat mir ein gewisses Schutzpolster verpasst. Bei Negativ-Kritik versuche ich herauszufiltern, was mir weiterhilft. Aber natürlich macht es auch mal “Autsch”. Ich weiß aber, dass es nicht möglich ist, alle zufrieden zu stellen. Es wird immer welche geben, die mit meinem Stil nichts anfangen können, oder das jeweilige Genre nicht mögen.

 

Ja, Geschmäcker sind nunmal verschieden. Gibt es am Ende unseres Interviews denn noch etwas, das Du unbedingt noch loswerden möchtest?
Nur dies: Leser*innen haben ein ganz einfaches Mittel zur Hand, wie sie Autoren unterstützen können – egal ob Indie oder Verlagsautoren: Bewertungen schreiben. Schreibt einfach in wenigen Sätzen, was euch gefallen hat oder auch nicht, verteilt die Sterne, so wie es sich richtig anfühlt. So werden unsere Bücher sichtbar. Das müssen keine langen Texte sein und dauert 2 Minuten. Aber ein Buch mit 50 Rezensionen auf Amazon, Thalia oder Hugendubel hat weitaus bessere Chancen auch von anderen Lesern entdeckt zu werden.
Vielen Dank, dass du mir diesen Raum eingeräumt hast, liebe Moni!

 

Ich danke DIR für Deine wertvolle Zeit.

 

Mehr Informationen zu Christine Heimannsberg und ihren Büchern bekommt ihr hier:
www.christineheimannsberg.de
https://www.facebook.com/GLTrilogie/
https://www.instagram.com/christine_heimannsberg/

Autorenfoto: ©Hans-Günther Brosius

Bild: pixabay

Coverrechte: Christine Heimannsberg

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