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Mary Cronos

Hallo Mary, vielen Dank, dass Du Dich heute meinen Fragen stellen möchtest. Könntest Du Dich bitte kurz vorstellen, damit meine Leser wissen, wen sie vor sich haben?
Hallo Moni! Vielen Dank Dir für dieses Interview! Sehr gern. Ich bin Mary Cronos, meines Zeichens freischaffende Künstlerin, Theologin und Autorin. Hinter dieser verrückten Mischung verbergen sich meine Liebe zur Fotografie, zum Design (vor allem für Buchcover) und zum Zeichnen sowie bisher fünf Fantasy-Bücher.

 

Für unser Interview gibt es ja heute einen ganz speziellen Grund: Eines Deiner Bücher steht auf der Shortlist des DPP. Was fiel Dir als allererstes ein, als Du das gehört hast?
Wer war so verrückt, Houston Hall und mich zu nominieren? Ich glaube, diese Frage fasst die Menge an Gedanken und Gefühlen ganz gut zusammen, die mir durch den Kopf gingen. Zusammen mit “Ihr seid doch verrückt!”
Bildrechte: dpp
Und was denkst Du jetzt darüber?
Es ist eine unglaubliche Ehre! Schon die Nominierung für die Longlist war eine. Die Namen, mit denen ich auf einer Stufe genannt wurde, sind große Vorbilder für mich. Als ich dann am 16.09. erfuhr, dass es Houston Hall allen Ernstes sogar auf die Shortlist geschafft hat, war ich sprachlos. Ehrlich sprachlos.

 

Das Gefühl kenne ich. Magst Du uns vielleicht ein bisschen etwas über Dein Buch erzählen, das in der Kategorie “Bester deutscher Roman” nominiert ist?
Aber gern! Sein vollständiger Titel lautet “Houston Hall – Schatten der Vergangenheit”. Es war Anfang 2018 mein Verlagsdebüt und folgte zwei Selfpublishingtiteln. Houston Hall ist ein Genremix, der schwer in eine Schublade passt. Vom Verlag als Romantasy verbucht, würde ich es eher als paranormalen Krimi einstufen, der mit Liebe gewürzt wurde. Der Roman spielt im Süden Schottlands in den 60ern und stürzt meinen Protagonisten in eine spannende und für ihn sehr traumatisierende Geschichte. Er kehrt zum elterlichen Landsitz in Dirleton zurück, weil seine Familie getötet wurde. Selbst Anwalt, versucht er dem Verbrechen auf die Spur zu kommen und entdeckt dabei ein 300 Jahre altes Familiengeheimnis.
Bildrechte: feelings
Wie kam es, dass Houston Hall bei einem Verlag herausgebracht wurde, obwohl Du vorher schon Erfahrungen im Selfpublishing gemacht hattest?
Schöne Frage. Ich war schon vor meinen beiden Selfpublishingtiteln bei einer Literaturagentur. Genau genommen wurde ich wegen dieses Titels – Nafishur heißt die Reihe – dort aufgenommen. Aber nach langem Überlegen entschloss ich mich bewusst, diese Reihe nicht aus der Hand zu geben und bot meiner Agentur dafür Houston Hall an. Gesagt getan, schrieb ich dieses Buch und meine Agentur stellte es verschiedenen Verlagen vor. Entschieden habe ich mich dann letztlich für Droemer Knaur und ihr Imprint feelings.
Damit kennst Du jetzt quasi beide Sichtweisen: Die des Selfpublishers und die des Verlagsautors. Hast Du einen Favoriten und worin siehst Du persönlich die jeweiligen Vor- und Nachteile?
Ich muss sagen, dass ich eine Selfpublisherin mit Herz und Seele bin. In meinen Coachings sage ich immer, dass es eine Typfrage ist. Selfpublishing bedeutet Freiheit – aber auch Verantwortung. Es bedeutet, dass man selbst entscheiden kann, wer lektoriert, Cover macht etc. Es bedeutet, dass man selbst entscheidet, wann und in welcher Weise man veröffentlicht. Das ist eine große Freiheit. Aber es bringt auch viel Verantwortung mit sich. Für mich ist Selfpublishing kein Weg, den man “ja mal gehen kann, wenns mit dem Verlag nicht klappt”. Für mich ist Selfpublishing die Entscheidung, wenn man sagt: “Ich trau mir das allein zu”. Der Verlag gibt einem im Idealfall Rückendeckung, übernimmt Dinge für einen, die man sonst allein auf die Reihe kriegen müsste. Allerdings kann ich nur sagen, dass mich auch mein Selfpublishing Distributor BoD sehr unterstützt. Ich vermisse für Nafishur im Grunde nichts. Zumindest nichts, das man in meinem Stadium der Bekanntheit von einem Verlag erwarten darf.

 

Bekanntheit ist ein gutes Stichwort … hast Du denn das Gefühl, dass Selfpublisher weniger Bekanntheit erlangen, als Verlagsautoren oder denkst Du, das kommt auf den Autor an sich und vor allem auf sein Buch an?
Leider denke ich, es kommt in erster Linie auf den Autor und jede Menge Glück an. Verlage sind – verständlich – gewinnorientierte Unternehmen. Sie sind an Autorinnen interessiert, die bereits eine gewisse Reichweite haben, die bekannt sind. Das scheint oftmals und in vielen Verlagshäusern heute wichtiger als die Qualität des Textes zu sein. In meinen Augen ist ein Verlagslogo auf dem Cover leider kein Garant mehr für Qualität. Auf der positiven Seite gibt es dafür immer mehr Selfpublisher, die ihre Veröffentlichungen mit immer mehr Qualität vorantreiben. Ich hoffe, dass sich dadurch etwas an diesem Trend ändert, dass Qualität wieder mehr zählt als Follower und Likes. Es wäre wünschenswert. Im Grunde kann man sagen: Je bekannter Du vor deinem Buch bist, desto größer sind deine Chancen, durch das Buch (und gegebenenfalls den Verlag) noch einen weiteren Schub zu bekommen.

 

Was machst DU denn, um bekannter zu werden?
In erster Linie alles ausprobieren. Ich glaube, es ist wichtig, viele Chancen zu sähen, wenn man will, dass ein paar davon zur richtigen Zeit aufgehen. Ich liebe es beispielsweise zu netzwerken. Mir ist schleierhaft, woher in unserer Branche dieser lächerliche Konkurrenzkampf kommt. Kennst Du einen Leser, eine Leserin, der/ die nach einem guten Buch satt ist und sagt “Puh, also das Buch war so gut. Ich les jetzt kein anderes mehr?”. Es ist toll, Projekte gemeinsam mit anderen Schreibenden zu verwirklichen. Sei es ein gemeinsamer Lesebereich auf einem Event wie dem Festival Fantasia im vergangenen Juli oder ein Messe Meet&Greet auf den großen Buchmessen. Ich liebe es, solche Gettogethers und ähnliche Aktionen zu planen und zu realisieren. Genauso gern bin ich aber auch bei den großartigen Projekten und Initiativen anderer Kolleginnen und Kollegen dabei – beispielsweise der Schreib-WG, Author Wing oder dem Nornennetz. Aber Netzwerken ist eben nicht alles. Präsenz in den Medien ist gefordert und unerlässlich. Sei es in den Social Media wie Facebook, Instagram, Twitter und Co oder auch in den klassischen Medien. Zurzeit arbeite ich daran, einige Radioauftritte und Zeitungsartikel zu akquirieren. Ich bin gespannt, was davon klappt. Außerdem nützt es, Wissen weiterzugeben, um A sein Netzwerk zu verbessern und B die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen öffentlich zu zeigen. Ich coache gern und viel in Vorträgen und Workshops, auf Messen und Conventions. Und nun hatte ich gerade die Freude, einen Artikel über das Podcasting für „der selfpublisher“ zu schreiben.
Bildrechte: Uschtrin Verlag
Respekt, woran Du quasi nebenbei noch arbeitest. Viele Autoren haben da ja dann die Angst, dass sie durch all die Arbeiten, die eben sonst noch so anfallen kaum noch Zeit zum Schreiben haben, wie siehst Du das oder wie machst Du das?
Tjaaa. Die Angst ist berechtigt. Aber die absolute Mehrheit der Autorinnen und Autoren in Deutschland können vom Schreiben nicht leben (allein davon kann ich es auch noch immer nicht). Den Luxus der Zeit zum Schreiben haben also so oder so die wenigsten. In meinem Fall kommt ja hinzu, dass ich nicht nur als Autorin selbstständig bin, sondern wie eingangs erwähnt auch als Künstlerin. Ich fotografiere, designe und illustriere neben dem Schreiben. Dazu kommt noch Carpe Artes, mein Podcast. Die Zeit für meine Romane ist also sowieso begrenzt. Wäre ich noch immer parallel Angestellte, dann ginge das alles gar nicht. Aber ohne einen Brotjob muss ich eben neben den Büchern auch noch eine möglichst konstante andere Einnahmequelle haben. Und dafür sind Coachings, Zeitungsartikel oder regelmäßige Auftragsarbeiten für Kolleginnen ein Muss. Um trotzdem genug Zeit zum Schreiben zu finden, ist ein möglichst effizienter Zeitplan nötig. … Den ich nicht habe. Ich habe es immer wieder versucht, aber dann kommen plötzlich Nominierungen oder Interviews und der Plan für die ganze Woche steht Kopf. Was kann ich also tun, um trotzdem zu schreiben? Prioritäten setzen. Das ist machbar. Machbarer auf jeden Fall. Was muss auf jeden Fall geschehen, was hat Zeit? Ich will eigentlich wenigstens einmal die Woche zum ausführlichen Schreiben kommen (früher war mein Ziel einmal täglich, aber das ist derzeit utopisch).

 

Das heißt, Du setzt Dir täglich Ziele?
Wöchentlich und täglich. Momentan ist es tatsächlich extrem und ich kann bis auf große Events und Termine kaum mehr als eine Woche im Voraus planen – und das auch nur mit der Erwartungshaltung, jederzeit den Plan komplett gegen einen anderen einzutauschen.

 

Das klingt tatsächlich sehr stressig … was machst Du zum Ausgleich?
Das ist der Haken am kreativen Arbeiten: ich habe all meine Hobbies zum Beruf gemacht. Mein Ausgleich zum Schreiben: auf meinem Balkon lesen. Mein Ausgleich zu den Auftragsdesigns: einfach mal just for fun Zeichnen. Mein Ausgleich zum Stress: Carpe Artes. Mein Podcast ist tatsächlich zwar auch eine zusätzliche Belastung, aber eine, die mir deutlich mehr Power gibt als nimmt. Wenn Du auf Sport oder ähnliches hoffst: Da bin ich ein hoffnungsloser Fall. Ich sollte mehr Zeit in meine Gesundheit investieren. Aber in dem Punkt bin ich aktuell leider ein zu uneinsichtiger Workaholic.

 

Das kann ich Dich total verstehen: Sport ist auch nicht mein Ding, schon gar nicht zum Ausgleich.
Du findest also tatsächlich auch noch Zeit, selbst zu lesen? Bleibst Du da auch Deinen Genre treu oder gehst Du da gerne mal fremd?
Hihi, die Frage ist, womit ich fremd gehe. Eigentlich ist die Fantasy gar nicht meine Heimat. Ich liebe Krimis! Solange ich denken kann. Die guten alten Kriminalromane. Die kleinen grauen Zellen anstrengen, die Psyche der Figuren analysieren, Hypothesen anstellen und am Ende fasziniert die Auflösung miterleben – mit der Antwort, die klar und doch unsichtbar vor Augen lag. Das ist meine wahre Heimat. Womöglich gehe ich also mit meinen Büchern fremd und nicht mit denen in meinem Bücherregel. Und womöglich schleicht sich deshalb in all meine Fantasy-Geschichte auch immer mehr oder weniger Krimi hinein.

 

Jetzt bin ich aber echt überrascht, dass Du dann selbst keinen Krimi schreibst, sondern Fanatsy. Wie kam das?
Was nicht ist, wird bald werden. Und dafür dann gleich mit einer Serie. An der Fantasy in meinem Leben sind – wie bei so vielen – Harry und Edward schuld. Mit Harry Potter entdeckte ich die Magie als Thema für mich. Mit Twilight die untoten Blutsauger (dass meine nicht glitzern, muss ich wohl kaum erwähnen).
Es begann alles damit, dass ich in meiner Jugend in vielen RPG-Foren unterwegs war – und kurz darauf dann nicht wenige selbst ins Leben rief. Wir spielten RPGs zu Harry Potter, Twilight, Vampire Diaries und Co. Meinen Mitspielern reichte schnell nicht mehr das “übliche Prozedere”. Sie wollten neue Geschichten und “Ally” (so hieß ich damals bei den meisten) hatte schließlich immer so schöne Ideen. Also dachte ich mir neue Geschichten aus, die wir spielen konnten. Die Welten wurden größer, die Figuren komplexer. Eine Geschichte war in meinem Kopf geboren, die erzählt werden wollte. Zack. Fantasy-Autorin.

 

Eine schöne Geschichte, wie Du zum Schreiben gekommen bist. Und von der Vergangenheit bis jetzt in die Gegenwart hast Du schon so viel geschafft. Da kannst Du wirklich stolz auf Dich sein. Gibt es denn etwas, das Du als Autorin unbedingt noch erleben möchtest, ein Ziel, das Du noch erreichen möchtest?
O, nicht nur eins. Aber vor allem habe ich ein permanentes Ziel: Ich möchte davon leben können und das bitte lang. Ich möchte schreiben bis ich die Augen zumache – und das bitte in möglichst ferner Zukunft. Ich habe noch so viele Geschichten, die ich erzählen und teilen will. So viele Gedanken, die ich loswerden muss. So verrückt das vielleicht aus dem Mund einer 32jährigen klingt: Ich will die Zeit und die Chance haben, das mit Euch zu teilen, was nur darauf wartet, von mir endlich niedergeschrieben zu werden.

 

Das klingt toll und wünsche ich Dir wirklich von Herzen und auch noch ganz viel Glück für den DPP. Vielen Dank für Deine Zeit, es war wirklich sehr interessant mit Dir zu “quatschen”
Ich danke Dir für das schöne Interview! Die Freude war ganz meinerseits!

 


Wenn ihr jetzt für Mary Cronos und ihr Buch “Houston Hall – Schatten der Vergangenheit abstimmen wollt, dann schaut mal hier vorbei: http://www.deutscher-phantastik-preis.de/
Bildrechte: dpp

 

Mehr über die Autorin und ihr Bücher erfahrt ihr hier:
Homepage: https://mary-cronos.world/
Facebook: https://www.facebook.com/MaryCronos/
Instagram: https://www.instagram.com/marycronos/

 

Und hier findet ihr Mary Cronos auf der Frankfurter Buchmesse 2019:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Autorenfoto: Mary Cronos

Bild: pixabay

Coverrechte Houston Hall: Droemer Knaur / feelings

DPP Logo: Deutscher Phantastik Preis

der selfpublisher: Uschtrin Verlag

Bild Messetermine: Mary Cronos

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