Autoreninterview

Anna Weydt

Hallo Anna, schön, dass Du heute Zeit für mich hast. Könntest Du Dich bitte kurz vorstellen, damit meine Leser wissen, wer mir da heute meine Fragen beantwortet?
Ok, Vorstellung. Schwierig. Ich bin Anna, in Hamburg geboren und studierte Germanistin. Ich lebe in Niedersachsen und bin gerne unterwegs. Meine Begeisterung für das Reisen und neue Orte lasse ich eigentlich immer in meine Texte einfließen. Ich schreibe phantastische Geschichten, mein Debütroman ist „Das steinerne Schloss“, der letztes Jahr beim HarperCollins Germany E-Book Imprint books2read erschienen ist. Zurzeit arbeite ich an einem Urban Fantasy Projekt.

 

Kommen Dir Deine Ideen dann erst während Deiner Reisen oder woher nimmst Du diese?
Das Reisen ist auf jeden Fall ein großer Teil meiner Inspiration. Ich interessiere mich für die Geschichte hinter meinem Reiseziel und schaue mir deshalb gerne Sehenswertes an, was nicht immer zu den Top Attraktionen zählt – einfach, weil es mehr über eine Stadt verrät als das x-te Riesenrad. Ein schönes Beispiel dafür ist das Woolworth Building in New York, an dem zwar fast jeder Tourist vorbeifährt, aber fast niemand weiß, wie eng es mit der Geschichte der Stadt verwoben ist. In dem Projekt, das ich gerade schreibe, spielt das Gebäude auch eine große Rolle.

 

Kannst Du zu dem neuen Projekt noch mehr verraten oder hütest Du dieses Geheimnis lieber noch eine Weile?
Ich kann verraten, dass es Urban Fantasy ist, New York als Schauplatz hat und Alchemie ein großes Thema spielt. Gerade “aktuell”, weil es auf Verlagssuche ist, ist aber ein anderes meiner Projekte, das ich letztes Jahr kurz nach der Veröffentlichung meines Debüts beendet habe. Dieses Projekt spielt etwas näher bei uns, nämlich im Berlin der 2060er Jahre. Dort geht es um den gleichgeschalteten Staatenverbund Europa, der einige Machenschaften vor seinen Bürgern geheim halten möchte. Als dann meine Protagonistin plötzlich im Visier des Staates steht, muss sie sich und ihre Familie verteidigen.
Dieses Projekt habe ich auch in der #storyausschnittchallenge, die vor kurzem auf Instagram und Twitter lief, näher vorgestellt.

 

Klingt nach einer Dystopie …
Ja, in die Richtung geht es auf jeden Fall.
Wobei der Staat natürlich noch nicht zerfallen ist.

 

Aber auf dieses Buch müssen wir dann quasi noch warten, bis es einen Verlag gefunden hat? Oder hast Du auch schon einmal darüber nachgedacht, es im Selfpublishing zu veröffentlichen?
Da ich bei einer Literaturagentur unter Vertrag bin ist Selfpublishing zumindest im Hinblick auf meine Romane erst mal keine Option. Ich schließe es aber nicht grundsätzlich aus und plane in anderen Bereichen definitiv etwas selbst herauszugeben.

 

In anderen Bereichen?
Ich blogge nicht nur auf meinem Autorenblog, sondern betreibe schon ein bisschen länger einen Reiseblog. Dort ergibt sich natürlich auch viel Content, von dem ich mir Teile auch gut als E-Book vorstellen kann.

 

Wow, Deine Interessen sind wirklich sehr vielfältig. Wie findest Du nur die Zeit für alles?
Ich plane gerne. Organisation ist da die halbe Miete und es macht ja auch viel Spaß, deshalb fühlt sich das neben meinem Vollzeitjob (der natürlich auch Spaß macht) auch nicht wie Arbeit an. Und wenn ich mal nicht die Zeit dafür habe, weil im Job gerade viel los ist, dann ist das so. Die Prioritäten sind da klar.

 

Das klingt wirklich ziemlich gut durchgeplant. Legst Du dann auch feste Schreibzeiten fest oder wie genau müssen wir uns das vorstellen?
Ich habe verschiedene To-Do-Listen. Damit lässt sich gut arbeiten. Schreiben tue ich entweder ganz früh morgens vor der Arbeit oder danach. Für die Blogartikel plane ich grob einen pro Woche ein, wenn ich das mal nicht schaffe, ist das aber ok.

 

Das hört sich sehr diszipliniert an. Kannst Du denn immer schreiben oder musst Du darauf warten, dass Dich die Muse küsst?
Der “kreative Prozess” findet bei mir während des Plottens und davor statt, wenn ich die Idee ausarbeite. Das kann ich nicht wirklich planen, weil die Ideen entweder kommen oder nicht. Deshalb ist das Plotten bei mir immer eine Zeit, in der ich mir mehr “Freiheiten” lasse, zum Beispiel reise, um meine Kreativität anzufachen. Wenn ich dann fertig geplottet habe, schreibe ich meistens nur noch runter. Ich gehöre auch zu den exzessiven Plottern und plane kapitelweise durch. Damit weiß ich dann genau, wann was wo stattfindet.

 

Das heißt, Du weißt, bevor Du zu schreiben beginnst auch schon, wie eine Geschichte enden wird?
Genau. Das Ende steht dann schon fest. Wobei das nicht heißt, dass ich mich nicht doch während des Schreibens noch anders entscheiden kann. Wenn ich währenddessen feststelle, dass etwas anderes besser funktioniert, ändere ich den Plot. Aber diese Änderungen sind dann meistens keine großen mehr. Für “Das steinerne Schloss” habe ich zum Beispiel zwei Enden geschrieben. Vom Verlag gewünscht war ein positives, mir persönlich gefiel allerdings das tragische besser. Letzteres werde ich übrigens in meinem nächsten Newsletter veröffentlichen.

Heißt das, Du bist ein Fan von tragischen Enden (ich übrigens schon) oder war das nur, weil es zu dieser Geschichte besser gepasst hat?
Ich mag Enden, die zur Geschichte passen, manchmal sind das die glücklichen, aber häufiger die tragischen, finde ich zumindest. Meine Kurzgeschichten, die ich vor meinen Romanen und nebenbei geschrieben habe, haben interessanterweise auch alle tragische Enden. Also kann man wohl sagen, dass sie mir mehr liegen als Friede, Freude, Eierkuchen.

 

Das ist wirklich ungewöhnlich … Könntest Du Dir denn vorstellen auch in anderen Genre zu schreiben oder bist Du im Fantasybereich zuhause?
Fantasy hat eine große Bedeutung für mich; beim Plotten landet früher oder später immer ein phantastisches Element in der Geschichte. Aber ich habe schon einmal über Sci-Fi nachgedacht. Das könnte ich mir tatsächlich gut vorstellen (auch weil schon ein paar Ideen für Sci-Fi Plots in meiner Schublade liegen ;)).

 

Wie entscheidest Du, welche Idee Du aktuell weiterführst?
Zum einen nach Gefühl; also zu welchem Projekt gerade die meisten Ideen auflaufen, zum anderen spreche ich darüber aber auch mit meiner Agentin. Wir entscheiden dann gemeinsam, was sich am ehesten im Hinblick auf die Verlagslandschaft und momentane Trends lohnt.

 

Wo siehst Du denn so einen momentanen Trend?
Kommt natürlich auf den Bereich an, aber ich denke, dass New Adult momentan sicher gut geht, Urban Fantasy auch.

 

Was liest Du persönlich denn am liebsten oder fehlt Dir dafür die Zeit?
Ich lese gern, aber nicht mehr so viel wie früher. Hauptsächlich in den Bereichen, in denen ich auch schreibe, also Fantasy (aber keine High Fantasy) und Sci-Fi. Gerne aber auch realistischere Stoffe. Sehr gefallen hat mir zum Beispiel 100 Stunden Nacht von Anna Woltz.

 

Lässt Du Dich dann auch durch andere Werke inspirieren?
Nein, von Romanen, die ich lese, nicht. Aber im Studium habe ich zum Beispiel viele mittelhochdeutsche Texte gelesen. Dabei und auf Basis einer tatsächlich existierenden Figur ist dann die Idee zu “Das steinerne Schloss” entstanden.
Trotzdem schließt das natürlich keine Ähnlichkeiten aus. Häufig kommen Autoren ja auf ähnliche Ideen, das haben wir bei der storyausschnittchallenge erst wieder festgestellt.

 

Na ja, ich denke, es ist auch schwierig, etwas ganz Neues zu erschaffen. Gefühlt war ja alles auch schon einmal da … .
Macht es das nicht auch sehr schwer für Fantasy-Autoren?
Darüber mache ich mir meistens nicht viele Gedanken, weil selbst wenn mal etwas herauskommen sollte, das einem anderen Roman gleicht: Es wird immer noch genügend andere Teile in der Geschichte geben, die das nicht tun.

 

Das ist eine gute Einstellung. Aber allein mit dem Schreiben ist es ja heutzutage auch nicht getan, mittlerweile muss man ja auch kräftig die Werbetrommel rühren, eben um unter all den anderen Bücher nicht unterzugehen. Wie machst Du das?
Hauptsächlich über Social Media. Wenn ich Glück habe, schließen sich einige tolle Buchblogger an, Interviews wie dieses hier sind natürlich auch hilfreich.

 

Danke. Mir macht die Zusammenarbeit mit Autoren auch wirklich sehr viel Spaß. Hattest Du denn auch schon negative Erfahrungen mit Bloggern gemacht?
Leider haben einige Blogger Leseexemplare angenommen und sich danach nicht wieder gemeldet. Das ist natürlich schade, aber sie waren in der Minderheit und die Arbeit mit Bloggern bringt mir großen Spaß. Dabei ist es auch gar nicht schlimm, wenn jemandem das, was ich schreibe, nicht gefällt. Ich realisiere gerne Kampagnen, bei denen viele Blogger und Buchbegeisterte dabei sind.

 

Schön, dass Du auch für Kritik offen bist. Was war denn die härteste Kritik, die Du bekommen hast?
Ich musste erst lernen, dass ich es nicht jedem recht machen kann. Mich hat anfangs sehr irritiert, dass manche eine Sache sehr gelobt haben, anderen aber genau die gleiche Sache nicht gefallen hat. Das ist aber ganz normal und es liegt nicht an mir, das zu ändern, es sei denn, ich persönlich stimme mit dieser Meinung überein.

 

Ja, Geschmäcker sind nunmal verschieden, aber ich verstehe auch, dass es schwer ist, diese gegensätzlichen Meinungen zu hören.

Und keine Sorge: Als Autor muss man es wirklich nicht jedem recht machen. Das geht ja auch gar nicht.

Aber vielleicht gibt es noch etwas, das Du jetzt zum Ende Deinen Lesern da draußen sagen möchtest …

Ich freue mich über jeden, der sich für meine Geschichten, ob sie nun in Roman- oder Blogartikelform erscheinen, interessiert. Ich werde demnächst wieder einen kleinen Postkarten Flashmob und auch ein Gewinnspiel starten, weil “Das steinerne Schloss” 1 Jahr alt wird und ich das natürlich feiern möchte. Nähere Infos dazu gibt es zuerst auf meinem Instagram Account.

 

Na dann herzlichen Glückwunsch. Ich freu mich schon auf weitere Aktionen und schau sicher vorbei.
Und vielen Dank für Deine interessanten Antworten.
Gerne, danke, dass ich teilnehmen durfte.

 

Mehr Informationen über die Autorin und ihre Bücher findet ihr hier:
www.annaweydt.de/
https://twitter.com/annaweydt
https://www.instagram.com/annaweydt/
https://www.facebook.com/annaweydt/
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Autorenfoto: ©Anna Weydt

Coverrechte: books2read

Banner: pixabay

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