Autoreninterview

Patrizia Rodacki

Hallo Patrizia, vielen Dank, dass Du Dir heute Zeit für ein Interview mit mir nimmst. Kannst Du Dich bitte kurz vorstellen, damit meine Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben?

 

Mein Name ist Patrizia Rodacki, aber alle nennen mich einfach nur Pati. Ich bin 17 Jahre alt und wohne in einem ruhigen Dorf namens Waldthurn. Das stressfreie und ruhige Leben hier gefällt mir sehr. Seit der Grundschule schreibe ich schon Kurzgeschichten, mit dreizehn Jahren habe ich mich dann an einen Fantasyroman versucht, der im Oktober 2017 vom MASOU Verlag veröffentlicht worden ist. Mit der Veröffentlichung meines Romans ist mein größter Lebenstraum in Erfüllung gegangen. In meiner Freizeit lese, lektoriere und schreibe ich Bücher und Kurzgeschichten, auch gebe ich hin und wieder mal Nachhilfe in Fremdsprachen.

 

Wow, mit 17 schon ein Buch veröffentlicht haben, davor habe ich wirklich großen Respekt. Heißt das, während andere feiern gehen sitzt Du zuhause und schreibst?

 

Ich bin nicht so der Partymensch. Das gibt mir einfach nichts. Da schreibe ich lieber oder treffe mich mit meinen Freunden, die genauso sehr vom Schreiben und der Literatur begeistert sind wie ich. Zusammen haben wir unseren eigenen, kleinen Verein gegründet, lesen uns gegenseitig unsere Texte vor und philosophieren. Ab und an veranstalten wir auch unsere eigene Party, wo alkoholische Getränke und Spaß nicht fehlen dürfen. Aber das eben auf unsere eigene Art und im engen Freundeskreis.

 

Oh das klingt ja toll, ein Schreibkreis. Gab es den denn schon vor Deiner ersten Veröffentlichung und wie hat Dein Freundes- und Bekanntenkreis darauf reagiert, dass es jetzt tatsächlich ein Buch mit Deinem Namen darauf gibt?

 

Diese wundervollen Menschen, die im Verein sind, habe ich erst bei meiner Fahrt nach Frankreich kennengelernt. Das war kurz nach der Veröffentlichung meines Buches, danach haben wir den Verein gegründet. Meine beiden besten Freundinnen, die ich schon eine halbe Ewigkeit kenne, die aber nicht zum Verein gehören, waren unglaublich stolz auf mich und haben sich sehr gefreut, als ich ihnen signierte Exemplare geschenkt habe. Auch meine Eltern waren glücklich mit mir. Es gab durchaus nette Menschen im Bekanntenkreis, die sich mit mir gefreut haben, aber viele meiner Bekannten waren leider auch eifersüchtig auf meinen Erfolg. Auch bei vielen Lehrern hatte ich das Gefühl, dass sie da ein wenig eifersüchtig waren. Von denen hat, obwohl sie von der Veröffentlichung wussten, kaum jemand gratuliert.

 

Das ist aber schade. Leider gibt es immer auch Menschen, die anderen ihren Erfolg nicht gönnen. Traurig, aber wahr.

Hat sich Dein Leben denn nach der Veröffentlichung verändert?

Man kann schon sagen, dass es eine kleine Veränderung gab. Plötzlich musste ich, beziehungsweise wollte ich, Lesungen vor einem größeren Publikum halten, Interviews ausfüllen, auf Blogger zugehen und Buchmarketing betreiben. Das alles hat mich zum einen viel Überwindung und zum anderen sehr viel Zeit gekostet. Seitdem ich nun auch angefangen habe bei meinem Verlag ein Online-Praktikum als Lektorin zu machen habe ich da kombiniert mit dem ganzen Marketing weniger Zeit für mich selber und für meine Freunde. Aber ich mag diese Veränderung, auch wenn so vielleicht weniger Zeit für mich bleibt, denn so wird jeder Tag zu einer spannenden Herausforderung.

 

Es ist wirklich beeindruckend, was Du in Deinen jungen Jahren schon leistest. Strebst Du einen Beruf im Verlagsleben an oder möchtest Du später mal hauptberuflich Schriftstellerin sein?

 

Hauptberuflich Schriftstellerin zu sein kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Ich würde mir ständig Druck wegen der Verkaufszahlen machen, dann könnte ich das Schreiben nicht mehr als das genießen, was es für mich ist: Meine Leidenschaft. Ich strebe den Titel der Germanistikprofessorin an, aber wenn daraus nichts wird, kann ich mir durchaus vorstellen bei einem Verlag als Lektorin zu arbeiten oder als Journalistin in der Zeitung.

 

Das finde ich ja sehr spannend, denn für die meisten Autoren ist es schon ein kleiner Traum von dieser Leidenschaft leben zu können … . Machst Du Dir dann beim Schreiben auch keinen Stress? Oder hast Du da von Deinem Verlag durchaus Abgabetermine, die Du einhalten musst?

 

Beim Schreiben mache ich mir keinen Stress. Ich finde, kreative Ideen kann man nicht erzwingen. Wenn Ideen da sind, schreibe ich sie auf, aber wenn ich gerade keine Inspiration habe, lasse ich es lieber bleiben. Beim Bearbeiten des Manuskripts versuche ich aber immer schnell zu sein und das so schnell zu erledigen wie möglich. Meine Lektorin schickt mir die überarbeitete Fassung nämlich immer in Teilen zu, so werde ich nicht von zu viel Arbeit auf einmal erschlagen und schaffe es besser alles zeitnah zu überarbeiten, aber feste Abgabetermine gibt es da jetzt nicht. Nur bei meinem Online-Praktikum, wenn ich selber den Text eines anderen Autoren korrigieren soll, gibt es einen Abgabetermin.

Dann gibt es noch gar keinen Termin für die Fortsetzung von “Chain of innocent souls”?
Meine Lektorin und ich haben geplant, dass im November 2019 erst ein anderes Buch von mir erscheint. Bevor ich angefangen habe so richtig Buchmarketing zu betreiben, kannten mein Buch nur ziemlich wenig Leute, erst wollten wir es etwas bekannter machen, bevor der zweite Teil erscheint. Jetzt, wo “Chain of innocent souls” ein klein wenig bekannter geworden ist, würde es sich schon mehr lohnen einen zweiten Teil rauszubringen, aber wir haben schon angefangen ein anderes Buch von mir zu verbessern. Ich mache ungern alles wild durcheinander, daher werden wir erstmal das zu Ende verbessern und veröffentlichen. Den zweiten Teil habe ich aber natürlich auch schon hingeschickt.

 

Oh, darfst Du schon etwas zu Deinem neuen Buch verraten?

 

Gerne kann ich verraten, dass es darin um ein kanadisches Internat für Problemkinder gehen wird, in dem die Schüler von ihren Lehrern als Erziehungsmaßnahme gefoltert werden und dann Suizid begehen. Zumindest geht man von Selbstmord aus, doch die Hauptprotagonisten schöpfen schnell den Verdacht, dass es auch Mord sein könnte und suchen den Mörder im Internat. Im Moment hat es noch den Arbeitstitel “Der Mörder Creeksculvers.” Es wird ein Thriller mit einem fantastischen Element werden … Mehr kann ich leider noch nicht verraten.

 

Oh wow, das klingt ja so, als würde es in eine ganz andere Richtung gehen und eher sehr düster sein …

 

Ich habe gemerkt, dass ich mit der Zeit beim Schreiben immer ein klein wenig brutaler werde. Es wird vielleicht ein wenig düsterer und trauriger werden als „Chain of innocent Souls“, aber schöne Momente wird es trotzdem auch in diesem Buch geben. Da ich eine junge Autorin bin, möchte ich mich ausprobieren und wollte es auch mal mit einem etwas ernsteren und düsteren Thema versuchen.

 

Ausprobieren klingt gut. Gibt es denn ein Genre, das Du Dir gar nicht vorstellen kannst zu schreiben?

 

Oh ja da gibt es sogar zwei. Erotik, da wüsste ich nicht, wie ich so manches beschreiben sollte, das ist nicht so ganz mein Ding, aber ich habe großen Respekt vor Autoren, die erotische Szenen schön umsetzen können. Und Kinderbücher für die ganz Kleinen könnte ich wohl auch nicht schreiben, denn früher oder später wäre eh die Hälfte der Charaktere im Buch tot.

 

Du bringst also gerne Deine Charaktere um die Ecke?

 

Ich habe so eine Art Dämon in mir, der schläft, aber beim Schreiben erwacht und mich zwingt meine Charaktere um die Ecke zu bringen. Ich hoffe, mich hält jetzt niemand für psychisch krank, aber ein wenig so fühlt es sich an. Im realen Leben bin ich aber ein ganz lieber Mensch und hasse es, wenn ich jemanden aus Versehen verletzt habe.

 

Das hört sich echt ein bisschen verrückt an. Kann man sich denn davon, dass Du im Reallife ein netter Mensch bist, auf einer Buchverstanstaltung selbst überzeugen? Also wirst Du z.B. auf der Frankfurter Buchmesse sein?

 

Ich würde liebend gern mal auf eine Buchmesse fahren, aber mit der Schule und meinen vielen Aufgaben ist das nicht einfach hinzubekommen. Ich warte darauf, bis mein Verlag wieder mal auf eine fährt. Letztes Mal konnte ich zum Beispiel nicht mit ihm mit, weil ich mitten in der Prüfungsphase war und lernen musste. Führerschein habe ich leider auch noch nicht, aber wenn ich den hab und es schulisch ein wenig ruhiger wird, werde ich mit Sicherheit auch mal eine Messe besuchen, wo ihr mich dann treffen könnt.

 

Es ist sicher nicht ganz einfach, alles unter einen Hut zu bekommen …

 

Nein, einfach ist das nicht, aber wenn man sich gut organisieren kann und nach seinem eigenen Plan vorgeht, bin ich mir sicher, kann man fast alles schaffen. So mach ich es zumindest.

 

Du hörst Dich an, als wärst Du sehr strukturiert … hast Du denn da ein paar Tipps am Ende für uns andere?

 

Jeder von uns kennt das sicher, wenn wir überflutet werden von viel zu vielen Aufgaben, die es alle zu meistern gilt. Da sollte man sich erstmal eine Liste machen, entweder im Kopf oder auf dem Papier, was dringend und wichtig ist und welche Aufgaben noch ein klein wenig warten können, um den Überblick nicht zu verlieren. Mir fällt es zum Beispiel auch schwer, mehrere Sachen auf einmal zu schaffen. Eins nach dem anderen, dann kommt man schon an sein Ziel. Und vielleicht sollten einige ein bisschen weniger am Handy sein? Da spreche ich aus eigener Erfahrung als Jugendliche, dass das bei einigen Arbeiten einfach aus sein sollte.

 

Danke für die wertvollen Tipps (gerade das Handy ist bei mir auch viel zu sehr präsent) und für Deine Zeit.
Vielen lieben Dank für deine Fragen.

 


Weitere Infos zur Autorin und ihren Bücher findet ihr hier: https://www.facebook.com/Autorin-Patrizia-Rodacki-2858591927698321/

 

Foto Autorin: ©Patrizia Rodacki

Cover: MASOU Verlag

Interview-Bild: pixabay

 

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