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Blogtour “Us – Wie Worte so laut” von Ronja Delahaye

Heute macht die Blogtour zu “Us – Wie Worte so laut” von Ronja Delahaye bei mir halt und ich durfte dem männlichen Protagonisten Fynn ein paar Fragen stellen. Dabei sind wir auch auf das Thema “Gehörlos” eingegangen. Ich finde es sehr wichtig, die Gesellschaft im Hinblick auf Menschen mit Handicap zu sensibilisieren, ohne diese mit Mitleid oder falschen Hilfen zu erdrücken. Doch lest selbst, was Fynn dazu zu sagen hat … .

 

Hallo Fynn, schön, dass Du heute hier bist und mir Fragen zu einem sensiblen Thema beantworten möchtest und vielen Dank auch Dir Patrick, dass Du für mich in Zeichensprache übersetzt. Zwar habe ich durch meine Arbeit ein paar Gesten erlernt, aber eben nur einzelne Worte, die nie für eine Unterhaltung ausreichen würden.
Da sind wir schon beim eigentlichen Thema … leider können nur sehr wenige in unserer Gesellschaft die Zeichensprache. Eigentlich erlernt man sie erst, wenn man direkt “betroffen” ist. Macht es das nicht sehr schwer für gehörlose Menschen, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden bzw. bemerkbar zu machen?
Hi Monika, ich bin froh, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast und dich heute mit uns triffst! Tatsächlich wird man im Alltag immer wieder mit diversen Problemen konfrontiert. Nicht jeder Gehörlose oder Hörgeschädigte kann Lippenlesen oder verständlich sprechen. Die Möglichkeiten zu kommunizieren sind dann sehr eingeschränkt. Entweder, man muss ständig einen Freund mitnehmen, wenn man unterwegs ist oder aber Zettel und Stift, was wirklich mühsam werden kann. Inzwischen gibt es zwar auch Sprachcomputer, aber auch das ist nicht das Ideale. Am allerwichtigsten ist jedoch die Reaktion des Gegenübers. Es wäre zum Beispiel unhöflich, beim Reden jetzt die ganze Zeit über Patrick anzusehen, anstatt mich. Es gibt auch Menschen, die das so befremdlich finden, dass sie gar nicht erst mit einem reden wollen. Das ist weniger schön. Im Großen und Ganzen kommt man im Alltag aber ganz gut zurecht. Es könnte besser sein – wie in meinem Freundeskreis – aber das ist keine Selbstverständlichkeit.

 

Ich hoffe, es ist nicht unhöflich, wenn ich so direkt frage, aber bist Du schon von Geburt an gehörlos?
Gar nicht! Tatsächlich bin ich erst als Kind durch einen Unfall taub geworden. Den medizinischen Hintergrund dazu kann ich nicht erklären, aber es handelte sich, durch die darauf folgende Taubheit, um einen mittelschweren Unfall.

 

Da bricht doch auch als Kind erst einmal die Welt für einen zusammen, oder? Wenn plötzlich alles stumm ist und man sich nicht mehr verständigen kann. Ehrlich gesagt mag ich mir gar nicht vorstellen, was das für einen bedeutet … wie geht man damit um?
Als Kind? Gar nicht. Ich habe erstmal einige sehr ungesunde Mechanismen entwickelt, um damit klarzukommen. Aggression zum Beispiel. Außerdem hat alles furchtbar genervt – wirklich alles. Über die Jahre hinweg und mit dem Älterwerden wurde es dann besser. Therapie spielte dabei natürlich auch eine große Rolle. Es ist nicht leicht, aber es ist auch kein Umstand, dem man nicht Herr werden könnte. Man muss sich nur umgewöhnen, sich Zeit lassen und vor allem Hilfe annehmen. Freunde und Familie, die hinter einem stehen, sind auch wichtig.

 

Unterstützung ist ein wichtiges Stichwort! Doch wo zieht man die Grenze? Also was ist hilfreich und ab wo ist es eher Bevormundung?
Am besten stellt man sich vorher immer die Frage: Würde ich so behandelt werden wollen oder wäre mir das zu übergriffig? Wenn man sich danach noch immer nicht sicher ist, fragt man besser nach, bevor man handelt und damit den anderen womöglich vor den Kopf stößt. Das ist eine recht einfache Richtlinie, finde ich.
Ja, das ist wirklich ein guter Tipp, wobei ja viele Menschen bei solchen Handicaps eher Berührungsängste haben … konntest Du das so auch schon feststellen?
Manchmal gibt es Menschen, die sind zurückhaltend oder etwas schüchtern, aber das legt sich meistens schnell. Ansonsten gab es zum Glück keine negativen Erfahrungen bisher.

 

Das freut mich sehr zu hören. Aber was mich wirklich überrascht hat ist die Tatsache, dass Du Gitarre spielst und singst. Ganz ehrlich, ich habe einen Heidenrespekt vor Leuten, die mit Tönen umgehen können (ich selber bin leider völlig unmusikalisch), aber für mich klingt es nach einer Unmöglichkeit, ein solch schwieriges Instrument zu erlernen, wenn man sich selber dabei nicht hören kann. Also bitte verrate uns allen doch Dein Geheimnis: Wie machst Du das?
Reyes war auch ganz perplex, als sie erfahren hat, dass ich taub bin, aber Gitarre spiele. Sie hat fast dieselbe Frage gestellt. Im Prinzip kann man Töne an der Vibration erkennen. Stellt man sich beispielsweise vor eine Anlage und spielt ein Lied ab, kann man den Bass – also die Vibration – fühlen. Dadurch, dass ich taub bin, sind meine anderen Sinne sehr viel besser geschult und mir fällt es einfacher, die Musik zu fühlen und zu erkennen. Mit dem Singen ist es ähnlich. Perfekt wird mein Gesang trotzdem nie sein, weil ich gar nicht so daran arbeiten kann wie ein Hörender.

 

Aber ich finde das wirklich sehr faszinierend und bewundernswert.

Mir ist da aber noch etwas anderes aufgefallen … Du erwähnst eine “Reyes” … darf ich dann davon ausgehen, dass es eine besondere Frau in Deinem Leben gibt?

Gibt es, aber auch noch gar nicht so lange *grinst verschwörerisch*

 

Oh, alles also noch ganz frisch. Darf ich fragen, wie ihr euch kennengelernt habt?
Das ist eine recht kurze Geschichte: Ich habe in der Fußgängerzone gespielt und sie lief vorbei. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, sie kennenzulernen und hab erstmal alles stehen und liegen gelassen, um ihr hinterher zu rennen und ihr meine Nummer zu geben. Kettle Bay ist zwar klein… Aber dem Zufall wollte ich ein zweites Treffen nicht überlassen.

 

Wow, das ist ja wirklich ganz schön mutig. Und lass mich raten, sie hat sich dann gemeldet und dann kam eines zum anderen …
So ungefähr. Ganz so einfach war es leider nicht, vor allem weil ich mir sehr lange eingeredet habe, dass das einfach nur eine Freundschaft ist.
Aber was genau hinter unserer Geschichte steckt, könnt ihr selber in Ronja Delahayes Buch „Us – Wie Worte so laut“ nachlesen.

Na, da sind wir aber alle sehr gespannt auf eure Geschichte. Vielen Dank Fynn für Deine ehrlichen Antworten. Und Dir Patrick auch danke für das “stumme Übersetzen”. Es fasziniert mich sehr, wie schnell das bei euch beiden geht.

Wir sind eben ein eingespieltes Team. Jahrelange Übung sozusagen. Und vielen Dank nochmal für deine Zeit und das tolle Interview!

 


 

Titel: Us – Wie Worte so laut

Autorin und Bildrechte: Ronja Delahaye

Seitenzahl: 320

Preis eBook: 2,99 € (D)

Preis TB: 14,99 € (D)

ISBN: 978-3732295333

Blogtour-Fahrplan:
07.06: Biancas Bücherhimmel
08:06: Bunte Worte
09:06: Hier bei mir :)
10:06: Johanna B. Becking
11.06: Ronja Delahaye

 

 

Banner: @Ronja Delahaye

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