Blogtour,  Märchenadaption

Die Schneekönigin – Das Originalmärchen von Hans Christian Andersen

Als Lilly London mir erzählte, dass ihre Neuerscheinung “Das Schicksal des Winters” eine Märchenadaption zu “Die Schneekönigin” sein wird, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich liebe Märchen und dieses von Hans Christian Andersen mochte ich schon immer besonders.

 

Natürlich erklärte ich mich sofort bereit, in meinem Blogbeitrag etwas über das Original zu schreiben, da ich gerade diese sehr faszinierend finde. Aber als ich mich auf die Suche nach dem Original “Die Schneekönigin” von Hans Christian Andersen machte, war ich doch richtig überrascht, denn plötzlich bekam ich eine 22 DIN-A-4-Seiten lange Version, die ich so wohl noch nie gelesen hatte. Anscheinend hatte ich immer nur stark gekürzte Versionen gelesen :)
Da ich euch in meinem Beitrag hier nicht 22 Seiten zu lesen geben kann, euch aber einen kleinen Einblick in die Sprache des Originals geben möchte, hier ein kleiner Auszug:

 

“Die Schneekönigin.
In sieben Geschichten.

 

Erste Geschichte.
welche von dem Spiegel und den Scherben handelt. Seht! nun fangen wir an. Wenn wir am Ende der Geschichte sind, wissen wir mehr, als jetzt, denn es war ein böser Kobold! Er war einer der allerärgsten, er war der Teufel! Eines Tags war er recht bei Laune, denn er hatte einen Spiegel gemacht, welcher die Eigenschaft besaß, daß alles Gute und Schöne, was sich darin spiegelte, fast zu Nichts zusammenschwand, aber Das, was nichts taugte und sich schlecht ausnahm, hervortrat und noch ärger wurde. Die herrlichsten Landschaften sahen wie gekochter Spinat darin aus, und die besten Menschen wurden widerlich oder standen auf dem Kopfe ohne Rumpf; die Gesichter wurden so verdreht, daß sie nicht zu erkennen waren, und hatte man eine Sommersprosse, so konnte man überzeugt sein, daß sie sich über Nase und Mund ausbreitete. Das sei äußerst belustigend, sagte der Teufel. Fuhr nun ein guter frommer Gedanke durch einen Menschen, dann zeigte sich ein Grinsen im Spiegel, sodaß der Teufel über seine künstliche Erfindung lachen mußte. Die, welche die Koboldschule besuchten, – denn er hielt Koboldschule – erzählten überall, daß ein Wunder geschehen sei; nun könnte man erst sehen, meinten sie, wie die Welt und die Menschen wirklich aussähen. Sie liefen mit dem Spiegel umher, und zuletzt gab es kein Land und keinen Menschen mehr, welcher nicht verdreht darin gesehen wäre. Nun wollten sie auch zum Himmel selbst auffliegen, um sich über die Engel und den lieben Gott lustig zu machen. Je höher sie mit dem Spiegel flogen, um so mehr grinste er; sie konnten ihn kaum festhalten; sie flogen höher und höher, Gott und den Engeln näher; da erzitterte der Spiegel so fürchterlich in seinem Grinsen, daß er ihren Händen entfiel und zur Erde fiel, wo er in hundert Millionen, Billionen und noch mehr Stücke zersprang. Und nun gerade verursachte er weit größeres Unglück, als zuvor, denn einige Stücke waren kaum so groß als ein Sandkorn; diese flogen nun in die weite Welt, und wo Jemand sie in das Auge bekam, da blieben sie sitzen, und da sahen die Menschen Alles verkehrt, oder hatten nur Augen für das Verkehrte bei einer Sache; denn jede kleine Spiegelscherbe behielt dieselben Kräfte, welche der ganze Spiegel besessen hatte. Einige Menschen bekamen sogar eine Spiegelscherbe in das Herz, dann aber war es ganz entsetzlich; das Herz wurde einem Klumpen Eis gleich. Einige Spiegelscherben waren so groß, daß sie zu Fensterscheiben verbraucht wurden; aber durch diese Scheiben taugte es nicht, seine Freunde zu betrachten; andere Stücke kamen in Brillen, und dann ging es schlecht, wenn die Leute diese Brillen aufsetzten, um recht zu sehen und gerecht zu sein; der Böse lachte, daß ihm der Bauch wackelte und das kitzelte ihn so angenehm. Aber draußen flogen noch kleine Glasscherben in der Luft umher. Nun, wir werden’s hören!”

 

(Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/-6246/83

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt habt ihr zumindest schon eine kleine Vorstellung, wie die Splitter im Märchen entstehen.

 

In den nachfolgenden Geschichten geht es dann um Kay und Gerda, die Nachbarskinder sind, sehr viel Zeit miteinander verbringen und sich sehr lieb haben.
Eines Tages im Winter stößt ein Schneesturm das Fenster auf und als Kay es schließen will, sticht ihn plötzlich etwas im Auge und im Herzen. Von diesem Tag an ist er wie ausgewechselt. Er ist frech, ärgert andere Menschen und möchte nicht mehr mit Gerda spielen. Natürlich weiß niemand, dass den armen Jungen einer der Splitter mitten im Herzen getroffen hat und ihn das so verändert.
Als Kay an einem Wintertag mit seinem Schlitten zum großen Platz zum Rodeln aufbricht, fährt dort ein prächtiger Schlitten vor, in dem eine Frau ganz in weißen Pelz gehüllt sitzt. Er bindet seinen Schlitten an dem großen Schlitten fest und wird damit fortgezogen. Es ist die Schneekönigin. Sie küsst Kay auf die Stirn, woraufhin er Gerda, seine Großmutter und sein Dorf vergisst und mit der Schneekönigin in ihr Schloss nach Lappland fliegt.
Gerda ist natürlich tottraurig, als Kay fort ist und macht sich schließlich auf die Suche nach ihm. Sie folgt einem Fluss und gelangt so zum Haus einer alten Frau. Diese möchte gerne Gesellschaft und lockt Gerda deshalb in ihren schönen Blumengarten. Mit einem Zauber bewirkt sie, dass das Mädchen ihren Freund und damit auch ihre Suche vergisst und bei ihr bleibt. Doch während sie über Tage die Blumen betrachtet fällt Gerda irgendwann auf, dass Rosen fehlen, welche sie an zuhause erinnern und damit an Kay. Schnell setzt sie danach ihre Suche fort.
Als sie schließlich auf eine Krähe trifft, berichtet ihr diese, dass sie eine Prinzessin kenne, an derem Schloss gerade ein Junge aufgetaucht sei und seitdem dort geblieben sei. Gerda ist sich sicher, dass das ihr Kay ist und macht sich gemeinsam mit der Krähe auf den Weg zum Schloss. Dort muss sie jedoch leider feststellen, dass der Junge ein ganz anderer ist. Als sie dem Prinzenpaar daraufhin ihre Geschichte erzählt, wollen diese ihr helfen. Deshalb geben sie ihr neue, warme Kleidung und einen Schlitten ganz aus Gold, der Gerda die Reise erleichtern soll.
Doch als sie durch einen Räuberwald fährt, leuchtet ihre Kutsche so, dass sie die Aufmerksamkeit von Räubern auf sich zieht. Diese eignen sich den goldenen Schlitten sofort an, doch ein kleines Räubermädchen verhindet, dass sie Gerda ein Leid zufügen. Sie nimmt sie mit auf das Räuberschloss und lässt sie ei ihren Tieren schlafen. Als Gerda von ihrem verschwunden Kay erzählt, hören das auch die Tiere. Sofort berichten die Tauben, dass sie Kay dabei beobachten haben, wie er mit der Schneekönigin fortfuhr. Ein Rentier, das sich ebenfalls in der Räuberhöhle aufhält weiß sogar den Weg nach Lappland zum Schloss der Königin. Das Räubermädchen hilft Gerda daraufhin auf dem Rentier zu fliehen, welches sie schließlich auf Umwegen an ihr Ziel bringt.
Kay indessen möchte gerne seine Freiheit zurückhaben. Die Schneekönigin bieten ihm diese an, wenn er es schafft, aus verschiedenen Eissplittern das Wort “Ewigkeit” zu legen. Doch wegen dem Splitter in seinem Auge kann er nicht richtig sehen und es gelingt ihm nie. Als Gerda im Schloss der Schneekönigin ankommt, ist der Junge schon fast erforen und erkennt sie leider nicht wieder. Daraufhin weint das Mädchen bitterlich, was den Eissplitter in Kays Herz zum Schmelzen und schließlich auch ihn zum Weinen bringt. Der Splitter im Auge wird herausgeschwemmt und endlich erkennt er seine Gerda. Und als sie ihre Wiedersehensfreude feiern, tanzten die Eisstücken und landen schließlich als das Wort “Ewigkeit” auf dem Boden.
Somit hat Kay seine Freiheit und er und Gerda verlassen Hände halten das Schloss der Schneekönigin und machen sich gemeinsam auf dem Weg nach Hause, wo sie schließlich nach einigen erneuten Begegnungen auch ankommen und glücklich bis an ihr Lebensende sind.

 
 

Soweit meine Kurzzusammenfassung. Einige Personen und Gegebenheiten habe ich einfach weggelassen, da sie mir unwichtig erschienen und auch für die Märchenadaption von Lilly London keine Rolle spielen. Welche Parallelen es vom Original zu “Das Schicksal des Winters” gibt, müsst ihr übrigens selbst herausfinden, da ich euch nicht spoilern möchte. Ich sage nur so viel: Nicht nur das Märchen selbst, sondern auch der Verfasser wurden von der Autorin gleich mal “für ihre Zwecke genutzt” ;) Aber das ist ihr auch wirklich sehr gut gelungen. Freut euch also auf ein Abenteuer zwischen Schnee und Eis bei dem nicht alles so ist, wie es anfangs scheint.

Titel: Das Schicksal des Winters

Autorin und Bildrechte: Lilly London

Genre: Märchenadaption

Seitenzahl: 496

Preis eBook: 2,99 € (D)

ASIN: B07JKGYHKF

 

 

 

Bilder: pixabay

Coverrechte: Lilly London

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