Rezension

[Rezension] Die Bestimmung 02 – Tödliche Wahrheit

Autor(in): Veronica Roth
Verlag: cbt
Seitenzahl: 
507
Preis: 
9,99 Euro
Cover / Bildrechte:
Randomhouse / cbt

Ich finde das Cover des 2. Bandes wieder sehr schön. Auch, wenn es im Gegensatz zum Vorgänger nicht den großen Eyecatcher (das Feuerzeichen) besitzt, hat es mich doch magisch angezogen und ich liebe es, wenn die Cover einer Reihe zusammenpassen, was hier der Fall ist.

Tris, Tobias, Caleb, Peter und Marcus ist es gelungen zu fliehen. Doch die Welt, wie sie sie kennen gibt es nicht mehr. Die meisten Altruan wurden getötet, die Ken versuchen weiterhin alle anderen zu kontrollieren, die Ferox sind gespalten, die Candor versuchen sich an Friedensverhandlungen und die Amite halten sich aus allem heraus. Dort würden Tris und die anderen zwar Unterschlupf, aber keinerlei Unterstützung finden. Als Janines Handlanger sie auch dort aufspüren, bleibt nur erneut die Flucht. Doch dieses Mal landen sie bei den Fraktionslosen und lernen deren Anführerin kennen, die nicht allen unbekannt ist.
Die Fraktionslosen haben ihre eigenen Ziele: Sie wollen ins Hauptquatier der Ken eindringen, Janine töten und die Technik dieser Fraktion zerstören. Doch nicht alle sind von dieser Vorgehensweise überzeugt, denn Janine hütet ein Geheimnis, das alles verändern soll … .

Tris hat einiges mitgemacht: Sie hat ihre Eltern verloren, musste einen ihrer besten Freunde erschießen und ihre ganze Welt fällt auseinander. Durch all diese Ereignisse hat sie sich sehr verändert. Sie kann keine Waffe mehr anfassen ohne eine Panikattacke zu bekommen, sie ist von Schuldgefühlen geplagt und neigt zu einer gewissen Todessehnsucht. Deshalb begibt sie sich auch immer wieder in ausweglose Situationen, opfert sich selbst und reagiert dabei meiner Meinung nach, häufig sehr kopflos und unüberlegt. Mir kam es so vor, als wolle sie unbedingt die Heldin spielen, als könne sie im Alleingang ihre Welt und all ihre Lieben retten. Doch für mich sah es so aus, als würde sie dadurch alles nur noch schlimmer und auswegloser machen. Ich hatte ständig das Gefühl, sie würde sich selbst zu wichtig nehmen und sich dabei gehörig zu überschätzen. Das machte sie mir leider alles andere als sympathisch. 
Tobias gerät für mich ein bisschen in den Hintergrund. Obwohl er mit den Fraktionslosen verhandelt und Pläne schmiedet, obwohl er Tris das ein oder andere Mal aus einer schwierigen Lage befreit, bleibt meiner Meinung nach, durch die Dominanz von Tris kaum Platz für ihn und seine Heldentaten. Im Gegenteil, mir kam er etwas leichtgläubig und naiv vor. Auch seine Familiengeschichte, über die man in diesem Band mehr erfährt, trägt nicht dazu bei, ihn in einem heldenhaften Licht zu sehen. Ich bin sehr gespannt, ob er im letzten Band noch einmal zeigen darf, was alles in ihm steckt.
Dafür gibt es ein paar andere Charaktere, die wirklich Heldenqualitäten beweisen und mich teils positiv, teils negativ sehr überrascht haben, aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Diese Fortsetzung schließt nahtlos an Band 1 an. Ohne große Rückblenden wird man sofort ins Geschehen hineingeworfen und befindet sich mit Tris und den anderen auf der Flucht. Die Ereignisse überschlagen sich, da die kleine Gruppe nie wirklich in Sicherheit zu sein scheint. So ist das Buch von Anfang an sofort sehr spannend und man kommt als Leser gar nicht erst dazu Luft zu holen, so ist man erneut gefesselt von der Geschichte und der Welt von Tris.
Sehr schön fand ich, dass man endlich auch etwas mehr über die anderen Fraktionen z.B. die Candor oder die Amite erfährt. So erhält man ein Gesamtbild dieser Welt und wie die Fraktionen voneinander abhängen oder welchen Nutzen sie in der Gesellschaft erfüllen. Auch die Fraktionslosen und die Unbestimmten bleiben nicht länger gesichtslos, sondern werden mit einzelnen Protagonisten und eigenen Geschichten aufgefüllt. 
Auch dieser Band wird wieder aus Tris‘ Sicht in der Ich-Form erzählt. So bekommt man hautnah mit, was in dem Mädchen vorgeht, all ihre Zweifel und Schuldgefühle, ihre Bedenken und ihre Scham. Leider konnte ich nicht immer nachvollziehen, was in Tris vorgeht. Ich finde, dass sie teilweise auch nicht wirklich altersgerecht reagiert, immerhin ist sie ja noch ein Teenager und trägt trotzdem irgendwie die Last ihrer ganzen Welt auf den Schultern. Manchmal hätte ich mir gewünscht, die Geschichte auch aus Sicht von Tobias zu hören, was sicher auch interessant gewesen wäre.
Die Liebesgeschichte der beiden Protagonisten leidet in diesem Band sehr an den Entwicklungen ihrer Gesellschaft. Beide häufen immer mehr Geheimnisse an, in den sie den jeweils anderen jedoch nicht einweihen. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach und versucht auf seine Weise das Beste aus der Situation zu machen, ohne mit dem anderen zu sprechen. Obwohl kein Zweifel besteht, dass die beiden zusammengehören, haben sie es doch sehr schwer und ihr gegenseitiges Vertrauen wird auf eine harte Probe gestellt. Dadurch gerät die Liebesgeschichte etwas in den Hintergrund, ohne jedoch zu verschwinden, was mir sehr gut gefallen hat.
Einige Charaktere in diesem Band bieten echte Überraschungen. Es gibt Leute, denen gegenüber man Antipathie empfindet, die einen dann aber positiv überraschen und umgekehrt. Für mich gab es einige wirklich unvorhersehbare Wendungen, die ich so auf keinen Fall erwartet hatte und die die Geschichte zusätzlich spannend gemacht haben. 
Leider muss ich sagen, dass auch in diesem Band wieder sehr viel Gewalt und Brutalität vorherrschen. Tris‘ Welt befindet sich im Krieg und dort wird wenig Rücksicht auf Alter und Geschlecht der Beteiligen genommen. Kinder werden erschossen, zu willenlosen Marionetten gemacht und zum Selbstmord gezwungen. Da es sich um ein Jugendbuch handelt, bleibt dadurch ein bitterer Beigeschmack für mich.
Das Ende lässt wieder mehr als ein paar Fragen offen und wirft neue auf. Tris‘ Welt ist im Umbruch und obwohl sich in diesem Band einiges ändert, weiß man am Ende doch nicht, wohin das Ganze führen wird. Ein sehr spannendes Ende, das mehr als neugierig auf das Ende dieser mitreißenden Trilogie macht.

Eine wirklich sehr gelungene Fortsetzung, die mich wieder total gefesselt hat und ein wahrer Pageturner ist. Einige unvorhersehbare Wendungen, die für zusätzliche Spannung gesorgt haben, ein paar Charaktere, die über sich hinauswuchsen und ein toller Schreibstil, ließen mich darüber hinwegsehen, dass die Protagonistin für mich an Sympathie verloren hat.
Ein absolutes Muss für alle, die Band 1 kennen und lieben und für alle anderen, die spannende und fesselnde Dystopien lieben. Das ist definitv eine Reihe mit Suchtpotenzial.

Von mir bekommt das Buch 4 Punkte von 5.
Vielen Dank an den cbt Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

4 Kommentare

  • Friedelchen

    Hm, so unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein. Mir hat Tobias in diesem Band sogar besser gefallen als im ersten.Aber bei Tris kann ich dir nur zustimmen, ihre Art ging mir dieses Mal zeitweise echt auf die Nerven und ich konnte mit Tobias mitführen, der ja auch oft von ihr genervt war.

  • cityrella.

    Mir hat es ein bisschen besser gefallen als dir & mir haben die beiden sogar noch besser gefallen. 🙂 Klar haben sie sich verändert und bei Tris Handlungen wollte ich meinen Kopf am liebsten gegen die Wand schlagen, aber schließlich habe ich sie verstanden und gegen Ende ist sie ja auch zu Vernunft gekommen. :DTrotzdem schöne Rezension! 🙂

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